Toowoomba, Kingaroy & Great Dividing Range

 
Auf unserem Rückweg nach Stanthorpe campen wir auf dem Kingaroy Showground – bestaunen das neue Einkaufszentrum in Toowoomba und den Picnic Point Lookout – und informieren uns über die Berge in denen wir hier so unterwegs sind, die Great Dividing Range.
 

Camping Kingaroy Showground

Am späten Vormittag verlassen wir den Standown Caravan Park, der uns mitsamt seiner Bewohner und den freundlichen Gastgebern in guter Erinnerung bleiben wird. Die Straße Nr. 49 führt uns ins 160km entfernte Kingaroy. In Goomeri, gelegen an der Kreuzung zweier Highways, stoppen wir noch zwischendurch und nehmen unser übliches Essen (Pommes mit Kaffee) ein. In Anbetracht der sechs Gäste hat der Wirt ordentlich zu tun und bittet uns um etwas Geduld. Die Australier haben’s nicht so mit Hektik, weshalb eigentlich in jedem noch so kleinen Wirtshaus, wenigstens vier – nennen wir sie Servicekräfte – hinter der Theke stehen. Die befassen sich dann mitunter auch mit den Anliegen der Gäste. Diese Einstellung ist uns immer noch irgendwie ungewohnt und scheint auf dem Land ausgeprägter als in der Stadt. Sei es drum, schmecken tut’s meistens, vor allem der Kaffee.
Kingaroy hat keinen so richtig offiziellen Campingplatz. Das gerade noch als zentral gelegen zu bezeichnende Areal um den „Kingaroy Showground“ (ein Rund von etwa 200m Durchmesser mit Tribünen drum herum) bietet Backpackern und anderen Touristen aber die Möglichkeit, für ein kleines Entgelt (16,- Dollar/Nacht) ihre Zelte aufzuschlagen.
Die sanitären Anlagen sind in einem erfreulichen Zustand und auch sonst herrscht eine angenehme Atmosphäre, wenngleich sich nur wenige Besucher hierher verirren. Kingaroy wurde um 1900 gegründet und hat heute ca. siebeneinhalbtausend Einwohner. Damit ist es für australische, ländliche Verhältnisse schon eine größere Stadt. Gelegen auf etwa 440m über dem Meer fühlen wir uns ein wenig an Ruhla erinnert – allerdings entspricht die Landschaft hier eher einer Art Hochebene. Kingaroy ist von früher her als „Peanut Capital of Australia“ (Erdnuss-Hauptstadt Australiens) bekannt, lebt aber heute vor allem von den umgebenden Weingütern. Als eine der wesentlichen Persönlichkeiten der Stadt ist Sir John Bjelke-Petersen zu nennen, der von 1968 bis 1987 Premierminister von Queensland war.
Neben einem Einkauf, dem üblichen Abendessen und einem kurzen Abendspaziergang passiert nicht mehr wirklich viel Erwähnenswertes. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns und fahren weiter nach Toowoomba (die letzten 8 Fotos der Galerie).

Toowoomba Sehenswürdigkeiten

Nach etwa zweistündiger Fahrt über verschlungene Landstraßen und schließlich wieder den New England Highway erreichen wir die „Garden City“ Toowoomba. Die malerischen Parks und vor allem die unzähligen, die Straßen säumenden Jacaranda-Bäume haben der Stadt diesen Beinamen eingebracht. Wir haben nochmals ordentlich an Höhenmetern zugelegt und befinden uns jetzt rund 700m über dem Meer, das erst vor zwei Tagen verlassenen haben. Mit ca. 100.000 Einwohnern ist Toowoomba die zweitgrößte Stadt im australischen Binnenland, hinter der Hauptstadt Canberra. Wahrscheinlich dank der besonderen Höhenlage und damit verbunden einer sehr guten Luft hat Toowoomba heute ein Anteil von 23% an europäischen Einwanderern an der Gesamtbevölkerung. Die insgesamt angenehmen klimatischen Verhältnisse wurden und werden also geschätzt. In der Stadt findet man praktisch ausschließlich Einfamilienhäuser, sodass es keinerlei höhere Gebäude gibt. Aktuell ist zentral gelegen ein wirklich großes Shoppingcenter im Bau bzw. zur Hälfte schon fertiggestellt. Ansonsten liegen um Toowoomba einige Nationalparks, was es bei Touristen entsprechend beliebt macht. Dazu passen auch wieder die Weinberge in der Region, eine Option zum Arbeiten beim Working Holiday.

Zunächst fahren wir zum „Picnic Point“, einen angepriesenen Aussichtspunkt mit Park. Unsere Erwartungen sind infolge der schon oft nicht so tollen Szenerie eher gering, aber dieses Mal erleben wir eine überaus positive Überraschung. Der Park ist super-schön mit einem Wasserfall angelegt, die Aussicht gen Osten von einem steil abfallenden Berghang grandios. Ein erst 1997 errichtetes Restaurant lädt zu einem Stück Kuchen mit Kaffee ein, was wir trotz Höhenzuschlag beim Preis gerne wahrnehmen. Wir genießen auch den Blick hinunter auf die Stadt, in der das Violett der Jacarandas in fast jedem Garten schillert. Nach einer knappen Stunde Aufenthalt fahren wir in die Innenstadt von Toowoomba, in der es ein absolutes Grauen ist, einen kostenlosen Parkplatz zu finden. Nach mehreren Runden durch die City und schließlich einem grob schätzenden Blick mit mir neben dem Auto, entschließen wir uns die Einfahrt ins Parkhaus des besagten Einkaufszentrums zu wagen. Und tatsächlich, der Campervan passt rein! Wir kaufen bei Coles noch schnell etwas ein und dann laufen wir in die örtliche Bibliothek, um wieder mal ein paar geschäftliche Dinge zu erledigen. Ein schönes Gebäude im Stil der 70er Jahre, natürlich klimatisiert und ein ganzes Stück größer als in Stanthorpe. Eine Besonderheit gibt es hier noch, nämlich dass die meisten Geschäfte 18 Uhr schließen, das gilt es also zu beachten. Bis zum späten Nachmittag halten wir uns doch noch auf, dann geht es auf den an der Ausfallstraße gen Süden gelegenen Campingplatz „Toowoomba Motor Village“.
Die freundliche Empfangsdame weißt mir und meiner Partnerin – ‚ein schöner junger Mann ist doch bestimmt in weiblicher Begleitung unterwegs‘ – den Stellplatz zu. Wir erkundigen uns noch nach einer Möglichkeit, mal wieder eine Pizza zu essen und werden an den Pizza Hut, etwa 800m entfernt, verwiesen. Wir sind die einzigen Gäste, als wir am Tresen unsere Bestellung aufgeben. Das Personal ist wie so oft genervt, dass es noch was zu tun gibt und macht uns unmissverständlich klar, dass wir nicht im Gebäude essen dürfen, da gerade gereinigt wurde. Also take away oder let it be. Wir ordern aus den eher undurchsichtig erscheinenden Offerten ein Familienangebot mit Gehacktem und BBQ-Sauce. Während wir auf die Ausführung der Bestellung warten, sind wir echt am Überlegen, ob wir nicht einfach wieder hätten gehen sollen. Im nahegelegenen Park (‚nearby here is no possibility to take a seat‘ – ohne Worte!) essen wir dann das Gehöck, das den Namen Pizza nicht verdient hat. Wieder um eine Erkenntnis reicher schlendern wir noch durch den Park. Christian joggt noch eine kurze Runde, ich verlängere den Abendspaziergang entsprechend.
Nach einer guten Nacht setzen wir am nächsten Morgen unsere Fahrt nach Stanthorpe bzw. Pikes Creek fort. Etwa 140 km liegen noch vor uns, immer den New England Highway entlang. Die nächste größere Stadt ist Warwick, zwischendrin ist nicht viel. Morgen geht es dann mit dem Fruit Picking von Pflaumen weiter; wir sind gespannt, wie es wird.

Great Dividing Range

 
 

Während unseren Fahrten zwischen der Küste und dem Landesinneren, sind uns ja bereits die drastischen Höhenunterschiede und zum Teil wirklich massive Bergwände aufgefallen. Sie alle sind Teil der „Great Dividing Range“, die auch Großes Australisches Scheidegebirge oder Australische Kordilleren genannt wird. Beginnend im Nordosten von Queensland, zieht sie sich über die „Blue Mountains“ nahe Sydney bis hinunter nach Victoria, wo sie einerseits in die „Grampian Mountains“ mit dem „Mount Kosciuszko“ (mit 2228m einer der „Seven Summits“, je nach Definition, und höchste Erhebung des australischen Festlandes) im Süden und andererseits in die große zentrale Hochebene Australiens im Westen ausläuft. Die Great Dividing Range ist kein komplett einheitlicher Gebirgszug im engeren Sinne, fungiert aber als Wasserscheide und hat großen Einfluss auf das Klima an der gesamten Ostküste.
Ein gutes Beispiel ist wieder Toowoomba, das nur sechs bis zwölf Regentage im Jahr hat. Die Versorgung mit Trinkwasser ist in dieser Region demnach eine alltägliche Herausforderung für die zuständigen Stellen. Und interessant: der „Murray River“, der ganz in der Nähe entspringt, entwässert nicht etwa in den nur etwa 120km entfernten Pazifik – die Mündung liegt nahe des über 3000km entfernten Adelaide. Schließlich ist auch unserer gegenwärtiger Standort Stanthorpe auf der Great Dividing Range gelegen und der „Granite Belt“ um den Ort ein Teil von ihr. Der kleine geographische Exkurs erhebt sicherlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, gibt aber denke ich einen Eindruck von Australien, wie er bei uns in der Heimat so gar nicht vorherrscht und daher vielleicht zu weiterführender Lektüre anregt.