Campervan kaufen in Australien


Campervan, SUV oder Station Wagon

Das Straßenbild in Australien unterscheidet sich doch von dem in Europa gewohnten Anblick, insbesondere im Vergleich zu Deutschland. Vor allem fallen viele vergleichsweise ältere Fahrzeuge auf (aus den 90ern), weiterhin unzählige Variationen von Pick-Ups auf PKW- oder SUV-Basis und im NKW-Segment die typischen Roadtrains (LKW mit 2+n Anhängern). Es bietet sich außerdem ein bunter Mix verschiedenster Fahrzeuge, die auf den europäischen Märkten so nicht zu finden sind, darunter auch die Campervans.
Da Australien keinen eigenen Kraftfahrzeughersteller im engeren Sinn hat, sind die verfügbaren Fahrzeuge entweder importiert oder im Rahmen von Joint-Venture-Fertigungen hergestellt. Somit ist die generelle Empfehlung, nur „einheimische“ Fahrzeuge zu wählen, eher theoretischer Natur. Welche Hersteller sollten also in die engere Auswahl genommen werden? Der Marktpräsenz nach zu urteilen sind Holden (GM), Ford und Toyota die populärsten Marken. Außerdem sind sie überwiegend erschwinglich. Hinzu kommt: während in Deutschland wahrscheinlich jede noch so kleine Werkstatt einen Golf 3 wieder flott bekommt und Ersatzteile innerhalb weniger
Stunden zur Verfügung stehen, dürfte dieselbe Sache hier wahrscheinlich mehrere Tage in Anspruch nehmen, sofern man eine Werkstatt findet, die sich so einem Wagen überhaupt annimmt. Preislich liegen die beiden erstgenannten Marken ungefähr auf einem Niveau, während Toyota leicht darüber rangiert. Persönlich würde ich immer einen Toyota vorziehen (Zuverlässigkeit, Ersatzteile), sollten alle anderen Eigenschaften oder Kriterien identisch sein.

Für die Durchführung eines Roadtrips durch Australien bieten sich drei grundsätzlich verschiedene Fahrzeugklassen an: PKW (hier insbesondere Kombis bzw. Station Wagon), SUV (um die Vorteile des Allradantriebs zu nutzen) und schließlich Vans bzw. Kleinbusse (vorzugsweise als Umbau zum Campervan). Da wir uns für letztere Variante entschieden haben, werden folgend alle drei kurz im Überblick mit den Vor- und Nachteilen dargestellt, ehe die Details zum Campervan folgen.




 
Die zusammengestellten Eigenschaften erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sollen aber eine Orientierung dahingehend geben, welcher Typ passend sein könnte. Will man beispielsweise sowieso weniger reisen und wenn, dann nur in größere Städte, mag ein PKW vollkommen ausreichend sein. Für die Erkundung des Outbacks ist er jedoch ohne Frage eher ungeeignet. Was keine Rolle spielt ist die erreichbare Höchstgeschwindigkeit (bei 110 km/h ist sowieso gesetzlich Schluss), einzig die Ersatzteilpreise mögen sich abhängig von der Popularität des Fahrzeugs noch unterscheiden.
 

 
 

Campervan kaufen Checkliste

Da wir maximale Flexibilität mit einem guten Maß an Wohn- und vor allem Schlafkomfort verbinden wollten, kam für uns von Anfang an nur der Kauf eines Campervan infrage. Damit haben wir zwar vielleicht die härtesten Pisten ausgeschlossen, aber diese Einschränkung nehmen wir für die restlichen Annehmlichkeiten gerne in Kauf. Am Markt sind in verschiedenen Preisklassen erhältlich: Mitsubishi Star Wagon, Toyota Hiace, Toyota Tarago (bei uns: Previa), Ford Transit, Ford Econovan (baugleich: Mazda E2000/Bongo). Es gibt auch vereinzelt VW T4 oder Mecerdes-Benz Vito, aber aus der bereits beschriebenen Problematik heraus würde ich so etwas nur dann nehmen, wenn mechanisch wirklich alles tiptop ist.
Dem Thema Rost braucht im Übrigen – anders als in unseren Breiten – hier tendenziell weniger Beachtung geschenkt zu werden. Das in aller Regel trockene Klima lässt die Blechsubstanz auch bei alten Fahrzeugen noch erstaunlich gut aussehen. Ein Blick auf die tragenden Teile (Rahmen, Hilfsrahmen, Schweller, Boden) schadet dennoch nicht. Worauf gilt es also zu achten?
Grundsätzlich sind es die Dinge, die man auch in Deutschland beim Kauf eines Gebrauchtwagens prüfen würde. Die folgen Punkte kann auch eine technisch weniger versierte Person leicht prüfen. Ein Helfer schadet nie!

 

Im Stand:

  • einwandfreies Öffnen und Schließen aller Türen und Schlösser
  • Funktion der (elektrischen) Fensterheber und Zentralverriegelung
  • Verstellbarkeit von Sitzen und Spiegeln
  • Belüftungsanlage (Lüfterstufen, Luftverteilung)
  • Beleuchtungseinrichtungen (Scheinwerfer, Heckleuchten, Instrumentenbeleuchtung!)
  • Scheibenwischer und Waschanlage
  • Zigarettenanzünder
  • Signaleinrichtungen (Fahrtrichtungsanzeiger, Hupe)
  • Kontrolle aller Betriebsflüssigkeiten (Motoröl, Bremsflüssigkeit, Motorkühlflüssigkeit)
  • Profiltiefe und Laufbild der Reifen
  • Kupplung (Feststellbremse betätigen, Kupplung treten, 3. Gang einlegen, mittlere Motordrehzahl – Kupplung vorsichtig „kommen lassen“, Motor muss ausgehen und Kupplung darf nicht „durchrutschen“)
 

 

Während der Probefahrt:

  • einwandfreies Startverhalten des Motors, ggf. Choke nutzen
  • leichtgängige Pedale
  • spielfreie Lenkung
  • gut dosierbare, beidseitig gleichmäßig ziehende Bremse (bei mäßiger Fahrt bremsen und feststellen, ob Fahrzeug ohne Lenkkorrektur in der Spur bleibt)
  • keine Poltergeräusche der Achsen auf unebener Fahrbahn (Gelenke, Buchsen ausgeschlagen)
  • kein Aufschaukeln des Fahrzeugs beim Überfahren von Unebenheiten (Stoßdämpfer defekt)
  • gute, leichte Schaltbarkeit der Gänge (Handschalter)
  • gut dosierbare Kupplung, nicht ruckartig (Handschalter)
  • eindeutiges Einrasten der Stufen am Wählhebel (Automatik)
  • weicher, schleifender Übergang zwischen den Gängen, kein Rucken (Automatik)
 

Alles in allem eigentlich also relativ normale Sachen, die letztlich auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Der Punkt ist, dass man anders als bei uns daheim eher nicht die Möglichkeit haben wird, das Fahrzeug auf einer Hebebühne eingehend zu inspizieren. Man muss sich also beim Kauf auch ein bisschen auf sein Gefühl verlassen und wenn einem die aufgetischte Story des Verkäufers merkwürdig vorkommt, lieber die Finger davon lassen.
Außerdem wird man bei dem eher begrenzten Angebot vernünftiger Fahrzeuge (zumindest haben wir es so empfunden, kann aber auch daran liegen, dass gerade „Saison“ ist) sowieso nicht in die Situation kommen, groß diskutieren zu können. Entweder nehmen oder nicht, fertig. Der nächste Interessent wartet schon.


Campervan von innen

Sind die technischen Rahmenbedingungen abgesteckt, gilt es den Innenraum zu checken. Dabei vor allem auf eine funktionsfähige Elektrik, im Idealfall mit zweitem Akku achten. Wenn das Fahrzeug noch zusätzlich über eine Solarzelle verfügt, umso besser; Strom kann man nie genug haben. Weiterhin sollte das Bett ausprobiert werden, ob die Größe ausreichend und die Matratze noch zu gebrauchen ist. Staufächer in der Seite, zwischen Bett und Vordersitzen oder im Dachbereich sind ebenfalls wichtig, um den alltäglichen Krimskrams sicher und einigermaßen gegen Verrutschen gesichert zu verstauen. In aller Regel ist unter dem Bett ein großer Stauraum zu finden, in dem die weniger oft benötigten Dinge gelagert werden können. Viele haben hier schon passende Boxen dabei, damit so gut es geht auf dem engen Raum Ordnung herrscht. Weiterhin sind an Zubehör nicht zu unterschätzen: Gaskocher, Tisch, Stühle, Isomatte, Wasserkanister, Besteck, Geschirr, Töpfe, Tiegel und Tücher. Sicherlich kann man das alles auch hier in Australien kaufen, aber diese ganzen Kleinigkeiten halten ungemein auf. Ein besonderes Schmankerl ist immer noch eine elektrische Kühlbox oder gar ein kleiner Kühlschrank. Bei den oft doch recht hohen Temperaturen im Fahrzeug tagsüber,


bleiben die gekauften Lebensmittel wenigstens ein paar Tage frisch. In diesem Zusammenhang immer bedenken: je nach elektrischer Ausstattung des Fahrzeugs geht so eine Kühlung ganz schön auf die Akkus, daher besser nur während der Fahrt betreiben (unsere Erfahrung).
Am Ende entscheidet natürlich auch der Gesamteindruck und leider auch der Preis. An dieser Stelle ist es ratsam, vorher schon mit dem Verkäufer die Zahlungsmodalitäten telefonisch zu besprechen. Gerade wenn eine Barzahlung erfolgen soll, muss man an die täglichen Auszahlungslimits denken. Womit wir beim letzten Thema wären, den Kauf perfekt zu machen: der leidige Papierkram. Hier sollte zumindest die letzte Registration „Rego“ auf den Verkäufer lauten und die Nummern alle zueinander passen, Stichwort „matching numbers“. Einen Kaufvertrag sollte man auch abschließen, hier gibt es im Internet passende Vorlagen. Als wichtigster Abschluss des Ganzen muss die im jeweiligen Staat der Registrierung des Fahrzeugs zuständige Behörde über den Halterwechsel informiert werden. Hier sind unterschiedliche Regularien zu beachten, deren Details im Internet bereits hinreichend beschrieben sind.