Goodbye Australia

 
Die letzten Tage als Backpacker in Australien verbringen wir in Sydney – genießen den sich verabschiedenden Sommer in Brighton und Manly – verkaufen unseren Campervan und bereiten die Heimkehr vor.
 

Back to Sydney

Nach einer knappen Woche heißt es am 5. April 2017 Abschied nehmen von Canberra. Unser Flieger zurück nach Deutschland geht am 21. April, also haben wir noch gut 14 Tage Zeit. Ziemlich viel Zeit, wie wir später feststellen werden. Erstmal lassen wir die Hauptstadt hinter uns und fahren der M23 entlang gen Norden, vorbei am „Lake George“, der wie meistens am Ende des Sommers ausgetrocknet ist.
Nach rund 100km sind wir wieder in Goulburn, wo wir schon einmal übernachtet haben. Heute haben wir Zeit das touristische Wahrzeichen der Stadt zu besichtigen, das „Big Merino“. Dieses riesige Betonschaf ist 15m hoch und 21m lang und in seinem Inneren befindet sich eine Ausstellung zur Schafzucht in der Region. Aus dem Kopf hat man eine schöne Aussicht auf einen Teil der Stadt. Der unvermeidliche Souvenirshop lockt mit allerlei Produkten aus der begehrten Wolle der Merinoschafe.
Es ist noch nicht mal Mittagszeit und obwohl die Sonne scheint ist es noch kühler als die Tage zuvor. Wir besprechen uns kurz und entschließen uns zur Weiterfahrt nach Sydney.
Nach zwei Telefonaten ist schnell ein Campingplatz gefunden, der in den Bewertungen durchschnittlich, in der Lage akzeptabel und im Preis sehr gut ist. Wir fahren über die M31 und M5 in rund drei Stunden noch etwa 280km bis in den Süden von Sydney. Das ist die schnellste, wenngleich auch nicht die reizvollste Route. Mit einer Fahrzeit von über vier Stunden wäre die Strecke über Nowra und Wollongong durch die Berge und der Küste entlang eine denkbare Alternative gewesen.
Am Nachmittag erreichen wir den „Sheralee Tourist Caravan Park“, ein kleiner Platz auf dem Residents und Touristen zu etwa gleichen Anteilen vertreten sind. Wir bekommen einen Stellplatz an einem Flutgraben, auf dessen gegenüberliegender Seite der mondän klingende Stadtteil „Brighton-Le-Sands“ liegt. Nach der Autofahrt kommt uns eine Runde Laufen gelegen und so erkunden wir den Weg zum Strand, die Restaurants, die Promenade und finden einen coles-Supermarkt. Die Strecke wird uns die nächsten anderthalb Wochen erhalten bleiben, wir brauchen one-way rund 15 Minuten. Abends kochen wir in der Campkitchen.

Campervan Sold!

Bereits in Adelaide hatten wir schöne Fotos von unserem treuen Campervan Ford Econovan Maxi gemacht und nebst Werbetext bei gumtree.com.au eingestellt. Den Preis haben wir leicht erhöht gewählt, wohlwissend, dass Verhandeln dazu gehört. Aber ganz ehrlich: der Wagen ist mal abgesehen von der Laufleistung (jetzt knapp 380.000km) richtig, richtig gut. Immer angesprungen, kein Liegenbleiber und solide ausgebaut wie eine Schrankwand in Eiche hell. Die Anfragen waren durchschnittlich, manchmal unverschämt und insgesamt nicht so, dass wir Hoffnung hatten schnell zum Abschluss zu kommen. Daher mussten wir im Vorfeld also auch genügend Verkaufszeit einplanen, um nicht durch den nahenden Abreisetermin erpressbar zu werden. Der beginnende Herbst spricht ebenfalls eher für ein Überangebot an Fahrzeugen. Häufig haben wir Anzeigen gesehen, die auch nach dem darin angegebenen Ablauftermin noch aktiv waren. Umso mehr freuen wir uns, als wir bereits einen Tag nach Ankunft in Sydney quasi als kleines Geburtstagsgeschenk gleich zwei interessante Anfragen bekommen – beide von Deutschen. Bereits am Nachmittag desselben Tages treffen wir uns mit zwei jüngeren Damen, die im Rahmen einer Probefahrt einen Werkstatt-Termin eingeplant haben. Wir halten uns im Hintergrund, geben jedoch Auskunft wenn wir gefragt werden. Naja, Fazit ist, dass nach Expertenmeinung Räder erneuert (das wussten wir), Stoßdämpfer getauscht und alle möglichen Betriebsflüssigkeiten gewechselt werden müssen. Nicht unter 1,000.- AUD machbar. Die Damen sind skeptisch geworden und schlagen uns also vor, drei Scheine zu zahlen. Wir überlegen es uns.

Am nächsten Tag steht die zweite Besichtigung auf dem Plan. Wir haben uns an der nahen S-Bahn-Station mit Jochen „Joe“ aus dem Süden Deutschlands verabredet. Wir empfangen einen gut gelaunten Herrn in unserem Alter, der schon optisch mehr nach Australien passt als ins P1. Wir verstehen uns gleich super und als Fahrer eines FIAT Panda sind die Erwartungen von vorn herein realistischer. Bei der Präsentation weisen wir auf die verschiedenen kleinen Macken hin, die sich auch im veranschlagten Preis wiederspiegeln. Joe ist von der Ausstattung, dem beiliegenden Equipment und dem Wagen insgesamt begeistert. Eine Probefahrt bringt ihn ins Staunen, dass alles so stabil ist und der Wagen smooth dahingleitet. Außerdem entwickelt er schon Pläne, was er bis zum Eintreffen seiner Freundin in vier Wochen alles erledigt haben will. Bei einer Tasse Kaffee im Aufenthaltsraum des Campingplatzes machen wir Nägel mit Köpfen, ohne Diskussionen zum Thema Preis.
Mit der beiderseitig bekannten deutschen Gründlichkeit geht es durch die Dokumente, gepaart mit Hinweisen zur Registrierung und dem Fahrzeugbetrieb generell. Als alles fertig ist, überrascht uns Joe mit zwei Bonbons: erstens schlägt er vor, die Bezahlung in harten Euros per Überweisung vorzunehmen (juhu, keine Wechselgebühren!) und zweitens, braucht er das Auto nicht gleich, wir können es noch zwei Wochen nutzen (Hammer!). Damit haben sich alle noch verbleibenden Risiken praktisch in Luft aufgelöst. Besser hätte es nicht kommen können. Einerseits bleiben uns weitere Verkaufstouren erspart, andererseits können wir so günstig wie nur möglich die letzten Tage in Australien verbringen, ohne in ein teures Hotel umziehen zu müssen. Einfach nur mega! Wir bringen Joe zurück zur Bahn und verabschieden uns. Heute Abend darf es eine Pizza sein, die im Angebot mit 20.- AUD pro Person zu Buche schlägt, aber echt lecker ist.

Manly Ferry & Manly Beach


Einmal im Jahr ist die Benutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel in Sydney kostenlos. Am Sonntag, den 9. April brauchen wir zwar unsere „Opal-Card“ für den Zugang, aber es wird nichts abgebucht. Das Wetter könnte für einen Ausflug nicht schöner sein und so machen wir uns mit der S-Bahn von Rockdale aus auf zur Sydney-Central-Station. Durch Sydney CBD hindurch laufen wir zum „Circular Quay“, von dem aus die Fähren zur Halbinsel Manly, den „Taronga Zoo“ oder anderen Zielen entlang der Mündung des Parramatta River ablegen. Noch mehr als sonst drängen sich heute die Touristen und die Einweiser haben alle Hände voll zu tun, das Schieben und Schubsen im Griff zu halten. Neben den schnellen Katamaranen, den Fast Ferries, sind auch die klassischen, alten Manly Ferries im Einsatz. Kostenfrei ist nur die langsame Manly Ferry, aber damit sieht man als Tourist auch wesentlich mehr. Die Überfahrt zur „Manly Ferry Wharf“ dauert knapp 20 Minuten und ermöglicht uns tolle Ausblicke auf die Innenstadt, die Oper und den botanischen Garten.
Der Stadtteil Manly liegt auf einer Halbinsel, hat ca. 15.000 Einwohner und ist für seine herrlichen Sandstrände bekannt. Schwimmer, Surfer und andere Sportler finden im eher entspannten Flair hervorragende Bedingungen. Sucht man in all der australischen Lässigkeit nach noch mehr davon, wird man wahrscheinlich in keiner Großstadt mehr davon finden als hier. Wie bestellt klatscht es auf unser beider Rücken, hat uns in all den Menschen doch tatsächlich Joe entdeckt! Wir wechseln ein paar Worte und verabreden uns, am Tag der Fahrzeugübergabe noch gemeinsam etwas zu unternehmen. C-ya, mate! Vor allem der Tourismus dient als Einnahmequelle in Manly und gerade heute sind es uns eingeschlossen besonders viele, die sich hierher aufmachen. Vom Manly Beach laufen wir zum Shelly Beach und zurück, essen zu Mittag und trollen uns durch ein paar Geschäfte zurück zur Fähre. Zurück durch die Innenstadt geht es schließlich wieder zum Campingplatz, wo der Tag ausklingt.

Sydney CBD

In der nun folgenden Woche vom 10. bis 17. April passiert erstaunlich wenig. Wir sind regelmäßig am Strand in Brighton und genießen die letzten warmen Sonnenstrahlen. Der auf der anderen Seite der Bucht liegende Flughafen erinnert uns täglich daran, dass die Tage unseres Aufenthalts hier gezählt sind. Wir verbringen viel Zeit im Aufenthaltsraum des Caravanparks, wo wir täglich unser Büro neu aufbauen, Fotos aufbereiten, Texte schreiben und die ersten Tage zuhause planen. Wir fahren zweimal ins etwa 15 Minuten entfernte Shoppingcentre „Rockdale Plaza“ und einmal noch in die Innenstadt. Wir wollen nach dem erfolgreichen Verkauf kein Risiko eingehen, dass mit dem Wagen noch irgendwas passiert. Für einen Ausflug in die nahen „Blue Mountains“ ist das Wetter mittlerweile auch etwas zu wechselhaft geworden. Christian lässt sein MacBook noch fachmännisch reparieren, damit endlich der Grafikchip wieder mitspielt. In Sydney gibt es ein paar mehr Adressen für diese Arbeit als in Eisenach, und wir geraten an einen engagierten jungen Inder, der nicht glauben kann, dass ein Laptop auch nach acht Jahren noch aussehen kann wie neu. Er versteht jedenfalls sein Handwerk und auch ein Jahr später ist noch alles bestens. Ansonsten sind diese Tage ein bisschen zermürbend. Die letzten Wochen waren ereignisreich und gut gefüllt, jetzt heißt es nur noch warten.

Drei Tage vor unserer Abreise treffen wir uns am 18. April mit Joe. Wir fahren nach Bondi, wo er bisher noch nicht war und verbringen ein paar Stunden zusammen, unsere letzten im Campervan. Wir haben alle unsere Habseligkeiten in den Rücksäcken verstaut und noch einmal alles ausgeputzt. Am Nachmittag setzt uns Joe direkt vor dem Hostel „Siesta Sydney“ ab, in dem wir schon zu Beginn unserer Reise wohnten. Wir verabschieden uns herzlich und wünschen allzeit gute Fahrt. Wir werden freundlich von Ania empfangen, die sich noch an uns erinnert. Wir verleben nochmal zwei ruhige volle Tage, im botanischen Garten, an der Oper und am Darling Harbour, wo uns farbenfrohe Fahnen im Wind auf der „Pyrmont Bridge“ begeistern.
Am Nachmittag des 21. April 2017 holen wir unser Gerödel aus dem Hostel und fahren mit der U-Bahn, vorbei am Circular Quay zum Airport. Der Check-In und die Sicherheitskontrolle verlaufen problemlos, zügig und doch entspannt. Eine Passkontrolle erfolgt nicht bei der Ausreise (warum auch immer), was uns später zuhause noch einiges an Mehraufwand einbringt, da dadurch der Ausreisestempel im Pass fehlt. Pünktlich hebt gegen halb neun abends Flug CA 174 ab, wieder ein A330, aber dieses Mal haben wir bessere Plätze. In der Nacht unter uns entschwindet das Lichtermeer von Sydney schnell aus den Augen und durch die dunkle Nacht hindurch überfliegen wir fast mittig die große australische Landmasse. Jetzt trennen uns nur noch ein paar Stunden in Peking und ein Anschlussflug von unseren Familien und Freunden in der Heimat.

 
 

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