Backpacking Australien – Stopover Peking

 
Wir reisen nach Frankfurt am Main zum Flughafen – erleben nach etwa neun Stunden Flugzeit Peking, die quirlige Hauptstadt Chinas – und fliegen gut elf Stunden weiter nach Sydney.
 

Flug nach Peking

Nun ist es also soweit. Die Rucksäcke sind gepackt, alle Dokumente beisammen. Es geht los! So richtig konnten wir beide uns irgendwie noch nicht auf die Reise einstellen. Zu viel haben wir in den vergangenen Wochen noch vorbereitet und privat gibt's ja auch immer wieder etwas Neues. Als Sebastian uns am Donnerstag, den 17. September 2016, nachmittags nach Frankfurt am Main fährt, wirkt alles fast zu normal, um wahr zu sein. Wir sind echt schon häufig diese Strecke gefahren...
Wir erreichen Frankfurt Airport Terminal 1 trotz hohem Verkehrsaufkommen rechtzeitig und verabschieden uns rasch. Der Check-in läuft routiniert und zügig ab. Offensichtlich helfen sich die Mitglieder der Star Alliance gegenseitig aus, denn wir erhalten sowohl für den Flug nach Peking als auch nach Sydney Lufthansa Boardkarten. Das Gepäck wird in Peking durchgecheckt, so die Auskunft. Wir essen noch eine Kleinigkeit, ehe wir uns ans Gate begeben.
Die Boeing 747-400 der Air China steht bereit. Ein ganz schön großer Vogel (Erstflug der 747-100 war 1969) und nebenbei mein Lieblingsflugzeug. Das Boarding läuft zügig ab und wir sitzen mit akzeptabler Beinfreiheit im Mittelbereich. Leider haben wir kein Personal TV, nur ein gemeinschaftliches InFlight-Entertainment. Na gut, schlafen ist eh besser. Nach dem Abendbrot klappt das dann auch und ehe wir uns versehen gibt’s Frühstück, eine gute Stunde vor unserer pünktlichen Ankunft am Beijing Capital International Airport – 11:25 Uhr, auf die Sekunde genau (und einen Tag später), setzen wir auf. Das ging ja mal schnell!

Stopover in Peking

Ein Thema bei einer Reise nach Australien ist der Flughafen für den Stopover. Direktflüge gibt es nicht immer, zumindest keine die weniger als 2.000 EUR pro Person kosten und wir haben erst gar keinen gefunden. Heißt also: je nach Airline Zwischenlandung in Dubai, Singapur, Hongkong, Kuala Lumpur – oder eben Peking.
Das neue Terminal 3 des Beijing Capital International Airport beeindruckt allein schon durch seine Größe und Weitläufigkeit. Die Nutzfläche liegt um die eine Million Quadratmeter (die Angaben schwanken) und es ist damit eines der größten Gebäude der Welt. Das britische Architekturbüro Norman Forster + Partner hat hier ein monumentales Bauwerk erschaffen, passend zu einigen anderen in der chinesischen Hauptstadt. Der BCIA ist gerechnet nach dem Passagieraufkommen der zweitgrößte Flughafen der Welt. Wir passieren relativ schnell den Schalter für die 72-Stunden-Visa-Touristen, schauen vorsichtshalber doch noch mal am Gepäckband vorbei (man weiß ja nie...) und gelangen nach einigen Orientierungsschwierigkeiten und eher begrenzt freundlichen – geschweige denn verständlich Englisch sprechenden – Mitarbeitern zum Hauptankunfts- und Abflugbereich. Dort können wir Geld abheben, geben unsere Laptop-Taschen ab (kostenfrei inkludiert im Visum) und erreichen die dem Terminal vorgelagerte Abfahrtshalle des Airport Express; ein Schnellzug, der die Terminals des Flughafens mit dem U-Bahn-Netz von Peking verbindet. Die einfache Fahrt kostet ca. 4,– EUR pro Kopf. Dank guter Reisevorbereitung wissen wir, wo wir um- bzw. aussteigen müssen und sind nach einer guten Stunde auf dem großen Platz. Unsere Route: Terminal 3 bis Dongzhimen Station (Ende Express) und Umstieg in U-Bahn-Linie 2 bis Quianmen Station (nochmal ca. 30 ct).
Der Platz des himmlischen Friedens Tian'anmen ist der größte befestigte Platz der Welt. Und steht man an seinem Anfang und schaut über ihn hinweg, kann man denken: könnte sein! Er wirkt auf uns nicht unglaublich riesig (das Mao Mausoleum steht dezent auflockernd mittendrin), aber ist doch imposant. Was wir schon am Flughafen ein bisschen gemerkt haben, fällt uns hier erst richtig auf: die leider sehr schlechte Luftqualität. Es ist um die 30°C warm und eine für das Sonnenlicht nahezu undurchdringliche Dunstglocke liegt über der Stadt. Wir ziehen trotz dieses Umstands, den wir aus unserer Heimat so gar nicht kennen, los und erkunden den Platz. Wir besichtigen das Monument der Helden des Volkes (eine Säule), die Große Halle des Volkes und das Nationalmuseum von außen und lassen die Szene auf uns wirken. Insgesamt haben wir den Eindruck, dass hauptsächlich asiatische Touristen anwesend sind. Verbunden damit sind auch die unvermeidlichen Fotografen und Nippes-Verkäufer.
Am oberen Ende des Platzes steht eine Art Tempel, an dem ein großes Mao-Konterfei prangt – das Tor zur Verbotenen Stadt. Von der für Touristen zugänglichen Galerie aus werden die Reden ans Volk gehalten oder die jährlichen Paraden abgenommen. Uns bietet sich ein hervorragender Ausblick über den Platz und auf das Verkehrstreiben unter uns. Das Innere des Tempels besticht mit aufwendigen Holzschnitzereien und farbenfrohen Malereien nebst kommodem Mobiliar. Eine adäquate Rückzugsmöglichkeit für die oberste Partei- und Staatsführung!
Anschließend durchsteifen wir noch einen schräg hinter dem Platz gelegenen Park, der ein bisschen bessere Luft bereit hält, ehe uns der Trubel des Platzes und der U-Bahn wieder hat. Die Rückfahrt zum Flughafen verläuft ähnlich unkompliziert. Was uns auffällt: alles ziemlich sauber, alles ein bisschen in die Jahre gekommen, und alle ein bisschen ungeduldiger und unfreundlicher, als ich es von den Asiaten (Koreanern) kannte bzw. Christian es erwartet hatte.
Nachdem wir unser Handgepäck wieder abgeholt haben, suchen wir uns eine Möglichkeit, uns die knapp fünf Stunden bis zum Anschlussflug zu vertreiben. Wir empfehlen rückblickend betrachtet, den Hauptbereich des BCIA Terminal 3 zunächst nicht zu verlassen. Im Abschnitt E, an dem die internationalen Flüge abgefertigt werden, ist nix los. Heißt: kein vernünftiges Essen, wenig Sitzmöglichkeiten, kaum Zeitvertreib. Auch ins angepriesene Free-WiFi haben wir’s nicht geschafft. Dafür ein bisschen gedöst und die Konstruktion der Decke bewundert.

Flug nach Sydney

Der Weg zum Gate ist dann doch nochmal ganz schön weit, aber erst eine knappe halbe Stunde vor offizieller Abflugzeit beginnt langsam das Boarding. Das lässt uns vermuten, dass es wohl nicht pünktlich losgehen wird. So ist es dann auch und mit einer elenden Warterei auf dem Vorfeld, bis wir an der Reihe sind, geht es mit etwa einer Stunde Verspätung los.
Der Luftraum zwischen China und Korea ist mir schon bei meinen Reisen nach Seoul als eher turbulent in Erinnerung. Das kalte Wasser und die unterschiedlich temperierten Luftmassen tun offenbar ihr übriges und so werden wir ein paar Mal ordentlich durchgeschüttelt. Der Airbus A330-300 ist vielleicht auch nicht das geeignetste Fluggerät für solche Wetterunbilden, ist er doch vergleichsweise lang und schmal. Da wir fast am Ende des Fliegers platziert sind, macht das die Sache nicht besser. Der Sitzabstand ist in etwa vergleichbar mit den T**-Urlaubsbombern, also eher bescheiden. Immerhin gibt's Personal Entertainment, was aber nicht über die unergonomischen Sitze hinwegtäuschen kann. Europäer und Asiaten haben offenbar andere Maßstäbe als US-Amerikaner und verdienen nicht den fläzigen Komfort einer alten Boeing-Bestuhlung.
Und was uns schließlich doch nervt: der Flug will nicht enden. Geschlagene elf Stunden verbringen wir in dem Zigarillo und grad bevor wir in Sydney sind, wird es beim Überflug der Blue Mountains wieder ziemlich unruhig. Trotz strahlendem Sonnenschein, praktischer Windstille am Kingsford Smith International Airport und etwa 20°C Außentemperatur gelingt unserem Piloten nur eine holprige Landung – auch das will gelernt sein.
Die Einreise läuft extrem unkompliziert und freundlich ab, das Gepäck ist da, und so beschließen wir unser Glück nicht weiter herauszufordern und sicherheitshalber ein Taxi zum Hostel zu nehmen. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellt, wäre der Weg doch eher unübersichtlich und lang gewesen. Zudem wir es hier momentan 18:00 Uhr dunkel – richtig dunkel. Dafür schon gegen 5:00 Uhr in der Früh dämmrig. So richtig haben wir das noch nicht verstanden. Angekommen im Hostel freuen wir uns auf eine Dusche, ein normales Essen (was wir selbst noch einkaufen) und schließlich das Bett. Wir sind zumindest physisch wohlbehalten angekommen.