Rockhampton | Hervey Bay | Warwick

 
Wir verabschieden uns von Townsville und fahren für eine Nacht wieder nach Airlie Beach – eine lange Etappe führt uns nach Rockhampton mit seinen vielen historischen Gebäuden – und via Hervey Bay und zwei Nächten in Brisbane erreichen wir schließlich wieder Stanthorpe, von wo aus wir wiederum für zwei Nächte Warwick besuchen.
 

Rockhampton in Queensland

Die Tage in Townsville haben echt gut getan und hätten wir gewusst, dass sich das Einpacken nochmals verzögern wird, wären vielleicht sogar noch länger geblieben, oder doch noch bis nach Cairns weiter gefahren. So starten wir am 9. Januar 2017 wieder durch und verlassen Townsville Richtung Süden, wieder dem Bruce Highway A1 folgend. Da Airlie Beach nur 270km entfernt liegt, machen wir erst im Mittag los und treffen entsprechend am späten Nachmittag ein. Wir sind wieder auf demselben Campingplatz, wollen dieses Mal aber ein bisschen besser essen. Dazu studieren wir in der Innenstadt die Offerten der verschiedenen Restaurants, die mehr oder minder hochpreisig sind. Wir entscheiden uns schließlich, pro Person etwa 20,- Dollar zu investieren und sind, naja, halbwegs zufrieden.
Eine Tour auf die Whitsunday Inseln haben wir aus finanziellen Gründen abgeblasen, da es letztlich zwar wahrscheinlich sehr schöne, aber eben auch wieder „nur“ Strände sind.
Am nächsten Morgen starten wir zu guter Zeit, unser Ziel heute heißt Rockhampton und ist 480km entfernt. Dieser wirklich langweiligste Streckenabschnitt mit einer Fahrzeit von knapp 6h hat außer Meter zu machen wirklich nichts Sehenswertes zu bieten. Wir nächtigen heute auf dem sehr zentral am Fitzroy River gelegenen Campingplatz „Riverside Tourist Park“, von dem aus man über eine ca. 400m lange Brücke bequem die Innenstadt fußläufig erreichen kann. Es ist noch nicht spät, aber wir haben Hunger und essen wieder im „Criterion Hotel“.

Uns werden Pommes nach Art des Hauses empfohlen, eine gute Portion mit einer Käse-Zwiebel-Knoblauch-Soße garniert bzw. überbacken. Für australische Verhältnisse eine kreative und ansatzweise geschmacksintensive Lösung. Gut gesättigt machen wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Rockhampton wurde bereits 1858 gegründet, also verhältnismäßig früh. Die Stadt war zunächst blühender Umschlagplatz für Schafwolle und prosperierte auch in der Depression Ende des 19. Jahrhunderts, da in Mount Morgen 40km südlich erkleckliche Goldvorkommen entdeckt worden waren. So erklärt sich denn auch die große Anzahl an alten, in geschmackvollem Stil errichteten Gebäuden, insbesondere entlang der Quay Street und im historischen Zentrum. Auch heute ist die rund 80.000 Einwohner zählende Stadt alles andere als verschlafen und weist vor allem eine Vielzahl an Motels entlang des Bruce Highway auf. Zudem hat Rockhampton über 300 Sonnentage im Jahr, was es ungewöhnlich trocken, aber auch geeignet für einen Urlaub macht. Insgesamt scheint die Stadt eine solide Entwicklung durchlaufen zu haben und ist eine klare Empfehlung von uns.

Hervey Bay Backpacking

Als nächsten Stopp haben wir Hervey Bay auserkoren. Es liegt ca. 380km entfernt, etwas ab vom Highway an der Küste und unmittelbar bei Fraser Island. Von hier aus starten wohl die meisten ihre Tour, auf die größte Sandinsel der Welt. Nach etwa viereinhalb Stunden Fahrt erreichen wir den „Scarness Caravan Park“, der im gleichnamigen Stadtteil, direkt am Strand liegt. Für supergünstige 15,- Dollar pro Nacht kommen wir hier unter. Hervey Bay ist extrem vom Tourismus geprägt und hat um die 50.000 Einwohner. Wir haben leider nur den Stadtteil Scarness und die entlang des Strandes verlaufende „Charlton Esplanade“ besucht. Gleich neben dem Campingplatz ist auch eine kleinere Seebrücke, etwa 200m lang. Von hier aus kann man schön über den weiten, wieder extrem flachen Strand gucken. Und spielen hier am Nachmittag die Kinder noch im Sand, so ist dieser abends um sieben vollständig überflutet und die Brandung bricht bis an den Grünstreifen zwischen Wasser und Fahrbahn heran.
Die gute Seeluft ausnutzend jogge ich noch eine kurze, intensive Runde und gemeinsam freuen wir uns auf ein Abendessen im Hotel. Die hier servierte Pizza sieht beim Blick auf die Teller der anderen Gäste vielversprechend aus und so ordern wir beide eine „Meatlovers“ (Fleischliebhaber) mit Koch- und Räucherschinken, Salami, Gehacktes und Speck. Allerdings verzichten wir auf die üblicherweise darüber gegossene Barbeque-Soße, was sich als richtige Entscheidung entpuppt. Die Pizza ist die beste, die wir bisher in Australien gegessen haben, geschmacklich variantenreich und mit einem schönen, dünnen Teig. Gut gesättigt machen wir noch einen kleinen Abendspaziergang. Bei unserer Abfahrt am nächsten Morgen haben wir es leider versäumt, den nur etwa anderthalb Kilometer entfernten „Urangan Pier“ zu besuchen. Diese rund 800m lange Seebrücke soll ebenso sehenswert sein, was die Bilder bei Google bestätigen.

 
 

Brisbane Work and Travel

In Maryborough fahren wir wieder auf den Highway, der uns heute ins 290km entfernte Brisbane führt. Vorbei geht die Reise entlang der Sunshine Coast und wir finden uns im Straßengewirr der Hauptstadt Queenslands wieder. Wir haben uns für zwei Nächte wieder im „Aussiway Backpackers“ einquartiert, dieses Mal dankenswerter Weise mit Klimaanlage. Die effektiv nur zwei Tage in Brisbane verleben wir eher ruhig. Ich hole hier lediglich noch meine nächste Ladung Kontaktlinsen ab, die ich in ein Post-Office habe liefern lassen. Ein super Service vom Optiker in Coffs Harbour.
Ergänzend zum Beitrag über Brisbane, in dem der Baustil des Hotels angesprochen war, folgt hier nun dessen richtige Name: „Federation Filigree“. Mit den hiesigen zur Verfügung stehenden Baumaterialien in der Zeit um 1900 wurden diese pittoresken Kunstwerke geschaffen. Wie der Name schon sagt sind stilprägendes Element die filigranen Verzierungen an Geländern und Häuserfronten. Zweifelsfrei ansehnlich, aber eben auch nur aufwendig instand zu halten. Zudem fielen manche dieser Bauwerke auch den Flammen zum Opfer.

Nach dem kurzen Stopp fahren wir schließlich wieder die gut 200km nach Stanthorpe. Auf der Strecke werden wir erstmals seit unserer Ankunft in Australien von der Polizei angehalten. Ein auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehender Motorrad-Polizist fixiert uns und ehe wir es uns versehen, bedeutet er zu folgen. Wir rechnen mit einer üblichen Routine-Kontrolle, allerdings hat der Herr einen triftigen Grund. Aus Gründen der Ergonomie nämlich hat Christian seinen Dreipunktgurt unterhalb der Schulter durchgeführt, eine Sache, die uns irgendwie so gar nichts Böses vermuten ließ und wahrscheinlich in Deutschland auch nur begrenzt für Aufsehen sorgen würde. Nun klärt uns der Cop auf, dass dies wie ein nicht angelegter Gurt gewertet würde und mit 360,- Dollar pro Person – ich als Fahrer hätte ihn darauf hinweisen müssen – zu Buche schlägt. Wir sind einigermaßen baff, jedoch verzichtet er auf die Ahndung, da wir wirklich glaubhaft versichern können, es nicht gewusst zu haben. Ein Check der Kennzeichen-Registrierung und ein paar Erkundigungen über unseren Aufenthalt später sind wir wieder on the road. Glück gehabt!

Warwick Southern Downs

In Stanthorpe entschließen wir uns, aufgrund der Nähe zur Stadt den „Blue Topaz Caravan Park“ zu buchen, der ca. 8km südlich von Stanthorpe liegt. Für ziemlich gesalzene 27,- Dollar pro Nacht bekommen wir hier Backpacker-Feeling vom Feinsten. Vor allem Franzosen und ein paar Italiener haben der Platz fest im Griff und gehen den von den Inhabern vermittelten Tätigkeiten nach. Auch wir werden angesprochen, erklären jedoch den Umstand, dass wir nur auf den Arbeitsbeginn warten. Sowohl die Küche als auch die sanitären Einrichtungen sind in einem unbeschreiblich liederlichen, dreckigen Zustand, dafür gibt es im Verwaltungsgebäude mit kleinem Shop freies W-LAN. Licht und Schatten also eng beieinander. Die meiste Zeit verbringen wir an diesen vier Tagen in der städtischen Bibliothek, unterbrochen von Kaffee und Pommes im Mittag.
Da sich jedoch die Arbeit beim Einpacken weiter verzögert, entschließen wir uns kurzer Hand nochmal die 60km zurück nach Warwick zu fahren, dem Zentrum der Region „Southern Downs“. Im „Oasis Caravan Park“ bleiben wir für zwei Nächte und nehmen noch ein bisschen städtisches Flair mit, bevor es wieder auf die Farm geht. Warwick wurde 1850 offiziell gegründet, liegt auf knapp 500m über dem Meer und zählt heute rund 15.500 Einwohner. Zwei Highways führen durch die am „Condamine River“ gelegene Stadt, die vor allem durch Handel und Agrarindustrie geprägt ist. Auch gibt es hier eine gut etablierte Pferdezucht. Bereits in den 1870er Jahren boomte die Stadt, was sie in der Folge zum Sitz der über die Jahre immer unterschiedlich genannten Verwaltungseinheiten machte. Auch hier haben wir die Bibliothek ausgiebig genutzt und uns von der wirklich schönen Innenstadt aus der Gründerzeit begeistern lassen.


Wahrscheinlich dauert es noch eine Woche, ehe das Einpacken beginnt. Alles ist dieses Jahr später dran als sonst und so verbringen wir die Tage mit Schreiben, Lesen und Sport. Natürlich fahren wir auch mal in die Stadt, aber alles in allem sind wir schon daran interessiert, die Kasse wieder aufzubessern. Wir werden sehen, aber wenn es jetzt Ende Januar erst losgeht und im längsten Fall die Saison für acht Wochen andauert, steht der Rückflugtermin auf der Kippe. Sollten es nur fünf Wochen werden, wir es vielleicht was. Aber zu planen, das haben wir mittlerweile gelernt, braucht man in Australien einfach nicht.