New South Wales Backpacking

 
Unsere erste Station nach dem Arbeiten ist Coffs Harbour, wo wir noch einen kurzen Einsatz haben. Dann geht es weiter über Taree und vorbei an Sydney ins schöne Städtchen Goulburn. Anschließend folgen wir der M31 bis nach Shepparton. Eine lange Fahrt bringt uns schließlich nach Adelaide.
 

Back in Coffs Harbour

Nach fünf Wochen in der ‚Pampa‘ starten wir am Sonntag, den 5. März 2017, nach Coffs Harbour in New South Wales. Dort wollen wir unsere liebgewonnene Familie Engelhardt besuchen und freuen uns auf einen intensiven Austausch nach fast einem halben Jahr. Es liegen nur ca. 400km vor uns, also sollte es gut zu schaffen sein. Dem üblichen morgendlichen Ritual folgt noch ein prüfender Rundgang, ob wir auch wirklich nichts vergessen haben. Gegen um neun heißt es ‚Leinen los!‘ und wir setzen unseren guten Ford Econovan Maxi in Bewegung. Die Strecke bis Stanthorpe vergeht wie im Flug, ein letztes Mal passieren wir die an der Straße gelegenen Grundstücke, ein bisschen komisch ist uns schon zumute. Im IGA kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten ein, checken den Ölstand im Motor und telefonieren vorsichtshalber nochmal mit den Engelhardts, damit die sich auf unsere Ankunft einstellen können.

Das Wetter könnte zum Reisen nicht besser sein, um die 20°C, heiter und ein paar kleine Wölkchen am Himmel. Ideale Bedingungen, und so erreichen wir über die A15, den „New England Highway“, relativ schnell Tenterfield. Obwohl es noch nicht so spät ist, kehren wir im McDonald’s ein, da sich ansonsten bis Grafton kein weiterer größerer Ort an der Strecke befindet. Gerade als wir weiter wollen erreicht uns ein Anruf von Ashley, einer lieben taiwanesischen Kollegin, von der wir uns leider nicht persönlich verabschieden konnten. Wir reden kurz, versprechen in Kontakt zu bleiben und wünschen ihr für die Erdbeer-Saison bei „Sweet Strawberry Runners“ alles Gute. Nicht nur sie und ihre Landsleute, sondern auch zwei Esten sind dort untergekommen – die Backpacker bleiben also zusammen.
Wir folgen dem Highway weiter bis kurz vor Moora Moora, wo wir nach Osten auf die B76 Richtung Grafton abzweigen. Die Strecke wir zunehmend kurviger, bergiger und waldiger. Wir befinden uns auf der „Gibraltar Range“ im gleichnamigen Nationalpark, die wiederum Teil des Großen Australischen Scheidegebirges ist. Über den Kamm hinweg herrscht auf der Ostseite leider schlechteres Wetter. Es ist insgesamt feuchter, schließlich setzt Regen ein und der Himmel wird zunehmend immer dunkler. Von Glen Innes (wir sind nördlich davon abgebogen) auf über 1.000m ü.N.N. bis nach Grafton auf 5m über dem Meer verläuft die Strecke steil bergab. Zwischen beiden Orten liegen ca. 160km, grob geschätzt werden die rund 1.000 Höhenmeter aber auf weniger als der Hälfte der Strecke überwunden. Unsere Reifen sind nicht mehr die Besten, daher fahren wir schön gemächlich hinab. In Grafton zweigen wir gen Süden ab, dem „Pacific Highway“ A1 weiter folgend.
Je näher wir Coffs Harbour kommen, desto mehr regnet es. Erst gegen halb fünf treffen wir schließlich in Upper Orara ein, fast genau 6 Monate, nachdem wir zuletzt hier waren. Auf der Fahrt haben wir uns schon auf eine eher ungemütliche Nacht im Campervan eingestellt, umso mehr freuen wir uns, dass wir das Gästehaus nutzen dürfen. Nach fast zwei Monaten haben wir also jeder wieder ein richtiges Bett unterm Rücken. Am Montag hat sich das Wetter um 180° gedreht, Sonne pur und es steht noch nichts auf dem Programm. Wir fahren in nach Coffs, kaufen Malerausrüstung und Farbe und wenden uns dem touristischen Highlight „Muttonbird Island“ zu. Im Oktober letzten Jahres war der Zugang noch versperrt, jetzt ist die Mole wieder begehbar und wir erklimmen die gar nicht mal so kleine Insel. Unterirdisch nisten hier die Muttonbirds (dt. Möwensturmvogel oder Sturmtaucher) in kleinen Höhlen dicht unterhalb der Oberfläche. Deshalb darf der Weg bzw. Steg nicht verlassen werden, da diese Habitate sonst zerstört würden. Am östlichen Ende der Insel brandet der Pazifik an die schroffen Klippen. Entlang des Strandes ‚Coffs Harbour Jetty‘ keimt in uns Urlaubsfeeling auf und wir freuen uns echt, dass wir in der Form nochmal hier sind.
Am Dienstag heißt es dann Farbe bekennen, in Weiß sollen Wohnzimmerwand und Flur erstrahlen. Wir erledigen die Arbeiten gewohnt zügig, setzen am Mittwoch noch ein paar Kleinigkeiten hie und da nach und Streichen im Büro die Fußleisten. An den Abenden freuen wir uns über das leckere Essen und besprechen dabei unsere gewonnenen Eindrücke. Außerdem verbringen wir noch einen gemeinsamen Filmabend, mit ‚Jagd auf Roter Oktober‘ diesmal allerdings deutlich weltlicher. Nach vier Nächten heißt es am Donnerstag dann schon wieder Abschied nehmen, die Ferne ruft und den 100%igen Fahrplan haben wir ja auch noch nicht.

Stationen für Backpacker in New South Wales

Taree am Manning River

Da die erste Etappe bis Taree nur etwa 230km lang ist und somit knapp drei Stunden in Anspruch nehmen wird, bummeln wir erst noch ein bisschen durch Coffs und essen im Plaza Shopping Centre eine Kleinigkeit. Gegen Mittag starten wir und fahren die uns bekannte Strecke bis nach Taree am Manning River. Wir nächtigen im „Twilight Caravan Park“, einfach und günstig und nahe des Highways. Mit knapp 20.000 Einwohnern ist Taree das Zentrum der von der Landwirtschaft geprägten Region.
Im Manning River werden seit Jahrzehnten Austern gezüchtet. Er ist nur rund 260km lang, entspringt in den Bergen auf rund 1.500m Höhe und mündet in die „Tasman Sea“. Bemerkenswert ist, dass er der einzige Fluss mit zwei Deltas in der südlichen Hemisphäre ist. Die Stadt ist insgesamt eher unspektakulär; aber gut, das ist mehr echtes Australien, als die geballte Ladung an Sehenswürdigkeiten in Sydney oder Melbourne.

Goulburn New South Wales

Am Freitag, den 10.03.2017, steht die erste größere Strecke an. Bis Goulburn sind es ca. 500km. Nach einem ordentlichen Frühstück fahren wir weiter dem „Pacific Highway“ entlang, passieren Newcastle und Gosford und finden uns schließlich im Speckgürtel von Sydney wieder. Immer schön unserem GoogleMaps folgend passiert uns dann doch das (fast) Unvermeidliche: große Schilder künden von einer beginnenden Mautstrecke. Wir haben natürlich vorher nix gewusst und ich merke mir in etwa Uhrzeit und Streckenabschnitt. Der Motorway M31 ist dann wieder mautfrei und bringt uns nach rund fünfeinhalb Stunden Fahrt ins schöne Städtchen Goulburn.
Goulburn liegt rund 700m über dem Meer in den „Southern Tablelands“, einem großflächigen Hochplateau. Es wurde bereits 1833 gegründet und entwickelte sich zu
einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt (Sydney, Melbourne, Canberra) mit heute rund 20.000 Einwohnern. Bekannt ist es vor allem durch das 15m hohe Merino Schaf, das eine Ausstellung mit angeschlossenem Shop beinhaltet. Die Wolle ist sehr weich und warm, aber auch entsprechend teuer. Wir checken kurz unseren Campingplatz für diese Nacht, den „Goulburn South Caravan Park“ und erkunden anschließend noch bisschen die Stadt. Die schönen Gebäude älteren Baudatums und ein malerischer Park laden zum Staunen und Entspannen ein. Zurück auf dem Campingplatz bezahlen wir abends noch unseren kostenpflichtigen Streckenabschnitt, was drei Tage rückwirkend problemlos per Kreditkarte möglich ist. Etwas über zehn Dollar werden fällig, das geht ja…

 
 

Shepparton Farmwork

Am nächsten Morgen setzen wir unsere Reise fort. Der „Hume Highway“ verbindet Sydney mit Melbourne und ist nahezu durchweg zweispurig ausgebaut. Zügiges Vorankommen ist also garantiert, vorausgesetzt man reist mit genügend Pferden unter der Haube, um die zum Teil steilen Rampen gut bewältigen zu können. Bis Shepparton liegen rund 530km vor uns.
Bei rund der Hälfte der Strecke machen wir Halt in Holbrook, ein kleines Städtchen mit ca. 1.200 Einwohnern an der Grenze zum Bundesstaat Victoria auf nur noch 290m ü.N.N. Auch Holbrook ist relativ alt, wurde 1836 von einem deutschen Immigranten gegründet und hieß deshalb bis 1915 Germanton. Im Zuge des 1. Weltkriegs erfolgte dann die Umbenennung. Zu Ehren des Lieutenant Holbrook kaufte der Ort mit Unterstützung von Spenden den oberhalb der Wasserlinie liegenden Teil des U-Bootes „HMAS Otway“, das 1995 außer Dienst gestellt wurde und seit 1997 im Stadtpark zu besichtigen ist. Wir haben das allerdings zu dem Zeitpunkt nicht mitgeschnitten, also Tanken, Essen und vertreten wir uns nur ein bisschen die Beine.
Auf dem Weg nach Shepparton bleibt Albury nahe des „Lake Hume“ (dazu in einem späteren Beitrag mehr) die einzige größere Ansiedlung. Am Nachmittag erreichen wir den „Big4 Shepparton East Holiday Park“, spezialisiert auf Backpacker und Familien. Mit rund 43.000 Einwohnern bilden Shepparton und Mooroopna im „Goulburn Valley“ ein bekanntes Zentrum der australischen Landwirtschaft. Pfirsiche, Birnen und Aprikosen locken übers Jahr unzählige Backpacker in die Region rund 180km nördlich von Melbourne. Das Klima hier ist sehr besonders, mit über 40°C von November bis Januar und um 0°C im Winter sind die Kontraste schon recht krass. Wenig Regen und somit viele Sonnentage schaffen sehr gute Bedingungen für erfolgreichen Ackerbau. Passend dazu ist hier die größte australische Dosenfrüchtefabrik ansässig. Weitere Sehenswürdigkeiten finden sich hier hingegen nicht und so beschließen wir auf einem Abendspaziergang die Fahrt gleich am nächsten Morgen fortzusetzen.

Von Shepparton nach Adelaide

 
 

Diesmal stehen wir etwas zeitiger auf als sonst, denn heute liegen rund 720km vor uns. So eine weite Strecke an einem Tag haben wir zuvor noch nicht geschafft, aber es bietet sich unterwegs auch nicht wirklich viel als Zwischenstopp an. Die Hälfte der Strecke führt zudem über Straßen der Kategorie C, was Asphaltstreifen in der Mitte und Piste an der Seite bedeutet, oder auch mal nur Piste. Über Inglewood, St Arnaud und Minyip (hier tanken wir an einem Automaten) erreichen wir Dimboola am Highway A8, der Melbourne mit Adelaide verbindet. Hier essen wir eine Kleinigkeit an einem Kiosk und fahren weiter. In Keith tanken wir nochmal. Ab Talem Bend, ca. 100km vor Adelaide, ist der Highway dann wieder zweispurig ausgebaut. Hier haben wir nach dem Traumwetter der vergangenen Tage auch wieder etwas Regen. Ehe wir Adelaide erreichen fällt uns noch die Abfahrt Hahndorf auf, ein Hinweis wiederum auf die deutschen Einwanderer.
Am 12.03.2017 treffen wir am Abend auf dem Campingplatz des „Belair National Park“ ein, der oberhalb der Stadt unter Bäumen ordentliche Anlagen und Free Wifi bietet. Der Tag steckt uns ganz schön in den Knochen, aber wir und der Ford Campervan haben gut durchgehalten.

Wir hatten uns ursprünglich von Shepparton mehr versprochen und waren auf Anraten unseres Kollegen Ben dort gewesen. Die etwas weiter nördlich verlaufende Route der A20 von Wagga Wagga über Balranald südlich von Mildura bis nach Adelaide wäre nur rund 70km kürzer gewesen und noch weniger bevölkert. Also letztlich keine wirkliche Option. So sind wir am wahrscheinlich westlichsten Punkt unserer Reise durch Australien angekommen und freuen uns, ab morgen die City zu erkunden.