Great Ocean Road

 
Auf unserem Weg von Adelaide nach Melbourne drängt sich die Fahrt entlang der „Great Ocean Road“ praktisch auf. In einer Anreise- und zwei Hauptetappen fahren wir über die berühmte B100 und lassen uns von den Felsformationen und dem teilweise spektakulären Straßenverlauf begeistern.
 

Great Ocean Road Anreise

Nachdem wir in Adelaide ausgiebig das schöne Wetter genossen haben heißt es am Sonntag, den 19. März 2017, ‚Good Bye‘. Einerseits sind wir etwas wehmütig, diesen nahezu perfekten Camp-Spot zu verlassen, andererseits gibt es noch so viel mehr zu entdecken. Und wer weiß, vielleicht ist es woanders ja noch schöner? Zunächst folgen wir dem Highway zurück bis Tailem Bend, wo wir nach Süden auf den „Princess Highway“ B1 abzweigen. Dieser verläuft über weite Teile entlang des „Coorong National Park“, einer ca. 130km langen, flachen Lagune zwischen Victor Harbour und Kingston SE. Es ist ziemlich heiß und der vom Wasser ausgehende Geruch ist brackig und hat etwas von Kloake. Ziemlich in der Hälfte der Lagune stoppen wir in Salt Creek und essen die obligatorischen Chips in einem Roadhouse, das auch schon bessere Tage gesehen hat.
Am Nachmittag erreichen wir nach rund 400km schließlich das kleine Örtchen Millicent, wo wir im „Lakeside Caravan Park“ für eine Nacht einchecken. Der Name ist etwas irreführend, es ist halt ein kleines Freibad daneben. Dankenswerter Weise sind die Inhaber sehr freundlich und weisen uns erstmal darauf hin, dass es bis zur Great Ocean Road gar nicht mehr weit ist. Im Vorfeld unserer Routenplanung hatten wir die Strecke eher zufällig gewählt, weil wir keine Lust mehr auf Kilometerfressen im Hinterland hatten, sondern lieber entlang der Küste fahren wollten. Von den im Ort lebenden rund 5.000 Einwohnern sehen wir an diesem Sonntag Nachmittag vielleicht 20, alles ist wie ausgestorben. Der IGA hat geöffnet, so dass wir für die bevorstehenden zwei Tage noch einkaufen. Auffällig sind die vielen alten Straßenkreuzer, die sich wie selbstverständlich in die Reihe neuerer Fabrikate parkend am Straßenrand einreihen. Da es nix weiter zu sehen gibt, folgt das übliche Abendprogramm.

 
 

Am nächsten Morgen setzen wir unsere Fahrt über kleine Sträßchen fort und erreichen über Mount Gambier (kurz danach sind wir in Victoria) schließlich Warrnambool, die vorerst letzte größere Stadt an der Küste. Wir stärken uns bei McDonald’s und treffen schließlich nur wenige Kilometer danach in Allansford auf den westlichen Startpunkt der „Great Ocean Road“, dem Standard-Touristen-Highlight und Backpacker-Traumziel.
Über gut 240km schlängelt sich die B100 an der Küste entlang, verläuft auch mal ins Hinterland und endet in Torquay, rund zwei Autostunden südwestlich von Melbourne. Die Great Ocean Road wurde 1932 fertiggestellt und ist Resultat einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für rund 3.000 heimgekehrte Soldaten aus dem 1. Weltkrieg. Über 13 Jahre hinweg entstand in unregelmäßigen Bauabschnitten das größte Kriegsdenkmal der Welt, heute Ziel von jährlich etwa 7 Millionen Touristen und gelistet in der „Australian National Heritage List“.
Als infrastrukturell bedeutend wurde diese Route bereits im 19. Jahrhundert eingeschätzt, jedoch war die teilweise anspruchsvolle Streckenführung erst viele Jahre später realisierbar und die Umstände zum Bau begünstigend.
Aufgrund unserer Reiseroute haben wir die Sehenswürdigkeiten entlang der Great Ocean Road in umgekehrter Reihenfolge als üblich und empfehlenswert ‚abgearbeitet‘. Fährt man von Torquay nach Allansford (also von Ost nach West), ist es aufgrund des Linksverkehrs einfacher mal am seeseitigen Straßenrand zu halten. Fairerweise möchten wir auch sagen, dass wir im Folgenden nur einen knappen Überblick zu den Stationen geben, die wir selbst besucht haben. Leider war das auch dem miserablen Wetter am zweiten Reisetag geschuldet. Unter https://www.swissnomads.ch/2014/04/great-ocean-road-in-australien/ findet sich eine detailliertere Aufstellung mit allen relevanten Stopps.

Sehenswürdigkeiten entlang der Great Ocean Road

Bay of Islands

Die „Bay of Islands“ wird ihrem Namen mehr als gerecht. Von zwei Aussichtspunkten aus schweifen unsere Blicke über die herrliche Bucht und die Felsen im Wasser. Die Küstenlinie ist mit dem ausgewaschenen Sandstein ebenso bemerkenswert. Da hier offenbar nur wenige anhalten, ist es sehr ruhig und angenehm. Die rauschende Brandung und das Panorama ziehen uns in ihren Bann.
 

 

The Grotto

Um die Grotte zu besichtigen muss ein Fußmarsch von etwa fünf Minuten absolviert werden. Über Treppen geht es hinab zu der Felsformation. Vom Land aus gesehen blickt man durch ein großes Loch im Fels auf ein Bassin, in das hohe Wellen immer wieder Meerwasser hineinschleudern. Mutige wagen sich bis an den Rand der Klippe vor, müssen dann aber auch mit einer unfreiwilligen Dusche rechnen.
 

 

The Arch

Zu diesem sehr coolen Torbogen führt ein relativ steiler Fußweg hinab. Ähnlich wie rund einen Kilometer davor die „London Bridge“ hat sich hier über Jahre eine brückenähnliche Auswaschung gebildet. Blickt man über das Geländer zur anderen Seite hinab, ist man fast hautnah mit Gestein und Wasser verbunden.

Twelve Apostels

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit der „Great Ocean Road“ und eigentlich ein Muss beim Backpacking in Australien sind die „Twelve Apostels“ (12 Apostel). Auf einem großen Parkplatz stehen hunderte von Fahrzeugen, Menschenmassen schieben sich über die Fußwege und Hubschrauberflüge laden ein, das besondere Panorama aus luftiger Höhe zu bewundern. Wohlgemerkt kostenlos stürzen auch wir uns ins Getümmel und stehen kurz darauf vor den riesigen Felssäulen. Sie sind steinerne Monumente einer sich über Jahrmillionen unablässig verändernden Küstenlinie und ein Spiegelbild aller durch Erosion hervorgerufenen Landschaften auf unserer Erde. Wie viele dieser Säulen jemals wirklich vorhanden waren ist umstritten, selbst heute sind es je nach Definition sieben oder acht. Und als Falco 2011 während des Studiums hier war, sah er noch ein ganz anderes Bild.

Wir halten uns ob der fortgeschrittenen Zeit nicht länger als nötig auf und setzen unsere Fahrt fort. Bereits nach wenigen Kilometern verlässt die B100 die Küste und windet sich die Berge hinauf ins Hinterland. Unser Ziel nach rund 340km Fahrt ist das Lavers Hill Roadhouse & Caravan Park, was ohne Übertreibung wirklich grauselig ist. Auf 450m ü.NN. ist mit ca. 200 Einwohnern aber eben auch nicht viel zu holen. Das Abendessen in der Gaststube ist freundlich gesprochen eher weniger doll, auf einer unterhalb der Straße gelegenen Wiese parken wir. Die Duschen und Toiletten sind die Welt nicht wert, aber es kostet wenigstens nur 10,- Dollar.
Leider hat sich passend zur Szenerie auch das Wetter gedreht. Bereits am Abend fängt es an zu regnen, auch am darauffolgenden Morgen ist keine Besserung in Sicht. Tief hängen die Wolken in den Bergen, die Sicht ist nahe Null (deshalb haben wir an diesem Tag auch keine Bilder gemacht). Wir beide hoffen auf bessere Witterung an der Küste und so schleichen wir langsam die Berge wieder hinunter, immer durch den dichten Regenwald des „Great Otway National Park“.

Cape Otway

Wenn Google Maps nicht lügt, würde ich einschätzen ist das „Cape Otway“ der zweisüdlichste Punkt des australischen Festlandes. Die schmale Straße zweigt von der Hauptroute ab und endet nach 14km an der „Cape Otway Lightstation“, einem 1848 aus Natursteinen errichteten Leuchtturm. Es handelt sich um den zweitältesten in Australien und um den am längsten in Betrieb befindlichen. Das gesamte Areal ist abgesperrt und nur durch einen Nippes-Laden hindurch zu erreichen. Hier würden dann auch 20,- Dollar Eintritt fällig. Wir sagen ‚No, thanks‘ und machen uns etwas enttäuscht wieder auf den Rückweg. Ein paar Kängurus gibt’s hier auch, zur Freude der wenigen Touristen, die sich heute raus getraut haben.

Apollo Bay

In strömendem Regen und durch spritzende Gischt erreichen wir immer entlang der aufgepeitschten See den 1.800 Seelen Ort Apollo Bay. Von hier aus wurde in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch die „Bass Strait“ hindurch das erste Telefonkabel nach Tasmanien verlegt. Die weite Bucht mit einem etwa 2km langen, schönen Strand und vielen netten Cafés ist bei Sonnenschein mit Sicherheit eine Pause wert. Wir ziehen weiter und erreichen Lorne.

 

Lorne

Rund 1.000 Einwohner hat das verträumte Städtchen, ebenfalls in einer kleinen Bucht gelegen. Am 1,5km langen Strand wurde hier mit dem „Grand Pacific Hotel“ das erste Badehotel Victorias eröffnet. Damit wurde der Grundstein für eine ausgeprägte touristische Entwicklung gelegt und in der Saison kommen schon mal 20.000 Besucher pro Tag vorbei. Wir essen in einem sehr guten Hotel und machen uns wegen des Wetters nicht weiter verrückt. Es war so viele Wochen so super, dass dieser eine Tag einfach auch mal dazu gehört. In Torquay erreichen wir eine knappe Stunde später das offizielle Ende der Great Ocean Road.
 

Geelong

Vorbei am Leuchtturm von Aireys Inlet treffen wir nach bisher rund 150km Fahrt am frühen Nachmittag in Geelong ein. Die zweitgrößte Stadt Victorias mit 160.000 Einwohnern liegt unmittelbar südwestlich von Melbourne an der Port-Phillip-Bucht. Heute ist es mit ca. 23°C nicht sonderlich warm und die etwa 125 Regentage pro Jahr lassen darauf schließen, dass wir einen eher typischen Tag erwischt haben. Beim Shopping in der Malop Street und im Westfield werden wir denn auch bestätigt. Im Winter kann es schon mal schneien, wenigstens Frost ist eher selten. Für Touristen oder Backpacker wird nicht wirklich viel geboten. Es gibt einen Pier und einen Park. Der Eindruck, dass es hier schon rosigere Zeiten gab, ist nicht von der Hand zu weisen. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Wollexport einer der Haupteinnahmequellen (heute präsentiert im „National Wool Museum“), im 20. Jahrhundert wurden verschiedene Industriezweige etabliert. Außer einer Raffinerie und einem Aluminiumwerk ist davon nicht mehr viel übrig. Ford hat als letzter OEM in Australien im Oktober 2016 die Fertigung eingestellt.
Für Working Holiday Maker also wahrscheinlich kein so einfaches Pflaster, wenngleich die nahe Metropolregion Melbourne schon aufstrebend ist, Stichwort Baubranche.
Nochmal eine knappe Stunde weiter sind wir schließlich an unserem Tagesziel angekommen. Der „Werribee South Caravan Park“ liegt südlich von Melbourne direkt am Wasser, allerdings ohne Strand. Der Preis für die Nacht ist mit 30,- Dollar okay, bleiben wir fünf Nächte, dann ist die sechste kostenlos – das passt soweit. Die Anlage ist sauber, zum Kochen gibt es leider keine Möglichkeit, die sonst übliche Camp-Kitchen fehlt. Naja, wir werden es schon schaukeln, aber die Plätze direkt in Melbourne waren uns einfach auch zu teuer. Da Formel 1 ist, ist Verhandeln zwecklos. Den unablässig vom Wasser her wehenden Wind im Gesicht freuen wir uns bei einem Abendspaziergang auf die nächsten Tage in der Hauptstadt Victorias.