Fruit Packing Australien

 
Endlich starten wir unsere Saison beim Fruit Packing in Pikes Creek Ende Januar 2017 – erleben relativ gleichmäßige, arbeitsintensive Wochen zusammen mit Australiern, Esten und Taiwanesen – und unternehmen Ausflüge zur „Stanthorpe Show“ und in die beiden nahegelegenen Nationalparks.
 

Fruit Packing in Stanthorpe

Es hat schließlich länger gedauert als gedacht, aber nach rund vier Wochen Pause beginnt für uns am Samstag, den 28.01.2017, endlich die Einpacksaison. Im Vorfeld hatten wir genügend Zeit, mit den anderen Backpackern der ‚Pikes Creek Orchard‘ zu sprechen und so sind wir bestens vorbereitet. Unsere Kollegen aus Estland sind nämlich schon das zweite Jahr in Folge in den Southern Downs. Wie lange es geht ist jedoch offen, da momentan noch nicht klar ist, wie die Ernte schlussendlich ausfallen wird. Wir haben uns auf eine Woche ohne Ausflug in die Stadt eingestellt und ein letztes Mal im Woolworth eingekauft. In den kommenden Wochen werden wir nur sonntags nach Stanthorpe fahren können, was bedeutet, dass wir auf „Spano’s Super IGA“ umschwenken müssen. Im Prinzip egal, die Basics nehmen sich vom Preis her nicht so viel. Und wie sich herausstellen wird haben wir nette Kollegen, die uns auch mal eine Kleinigkeit aus der Stadt mitbringen können, sollten wir was vergessen haben.
Wir teilen unsere Accommodation mit Ben „Der Lange“, Nathan „Der Läss’sche“ (beide Australier und um die 20 Jahre), Pille-Riin „Die Lange“, ihrem Freund Oit (beide aus Estland; werden sich in zwei Wochen trennen, weil sie etwas mit Ben anfängt),
Dave „Der Wilde“ (festeingestellter Backpacker-Hasser) und seiner super-lieben, aber eigensinnigen Hündin „Winnie“, ein Blue/Queensland Heeler bzw. Blue Cattle Dog – eine sehr interessante Rasse.
Soviel zur Vorgeschichte, aber wie gestaltet sich so ein Fruit Packing Tag beim Backpacking in Australien? Wir stehen meistens dreiviertel sechs auf, da die Arbeit täglich um sieben beginnt (außer mal zwei Ausnahmen). Wir laufen jeden Morgen ca. zwölf Minuten von der Unterkunft zum Packing Shed, der Halle, wo die Sortieranlage bzw. Verpackungsmaschine steht. Das ist insofern bemerkenswert, als dass die versammelte Mannschaft an Australiern es nicht versteht, warum wir nicht das Auto nehmen – Erklärung zwecklos. Die Packing Halle ist etwa 40m x 30m groß, ausgestattet mit Kühlhaus (ca. 5m x 6m), Stellplätzen für Paletten und Kartons, Flächen für Vorbereitung, Verpackung und Kommissionierung und schließlich dem Herzstück, der etwa 20m langen ‚Sorting Machine‘. Die Früchte werden frühs täglich aus dem Kühlhaus der Auftraggeber-Plantage in Stiegen ‚Bins‘ (ca. 1,10m x 1,10m x 0,9m) angeliefert, in den Kühlraum gestellt und dann im Tagesverlauf abgearbeitet. Im Schnitt werden am Tag 45 Bins verarbeitet. Der Kernprozess ist in der folgenden Grafik dargestellt.

Prozessablauf beim Fruit Packing

Die Früchte werden mittels einer Kippvorrichtung aus den Bins auf ein Zuführförderband geschüttet und laufen über ein Rollenförderband eine schiefe Ebene hinauf. Dort stehen drei Frauen und sortieren die Früchte grob vor und entfernen anhängendes Grünzeug.
Anschließend durchläuft das Obst eine Art Waschanlage mit Sprühköpfen und Bürsten, wo so ziemlich alles restlos abgewaschen wird.
Damit an der Wiegestation das Gewicht jeder einzelnen Fruit ermittelt werden kann, müssen diese, nachdem sie die Waschanlage „im Pulk“ verlassen haben, vereinzelt werden. In dem als ‚Singelator‘ bezeichneten Abschnitt werden mit seitlichen Bürsten die Früchte vereinzelt und in flachen Schalen ‚Cups‘, die auf einem Band montiert sind, abtransportiert.
Die vollautomatische Wiegestation erfasst beim Darüberfahren das Gewicht der Frucht im Cup und meldet es an den angeschlossenen Rechner, statistische Auswertung inklusive. Separat und nicht ins System integriert wird nur ein paar Zentimeter weiter ein Aufkleber ‚Sticker‘ automatisch auf die Frucht aufgebracht.
Je nach Gewicht und somit errechnetem Umfang (Annahme einer durchschnittlichen Dichte) wird jede Fruit an der zuvor am Rechner bestimmten Position aus dem Cup abgekippt. Ein pneumatisch betätigter kleiner Hebel stellt die Schale auf und die Frucht fällt auf einen leicht geneigten Sortiertisch. Dort wird von flinken Fingern die Sortierung in die jeweilige Qualitätsklasse vorgenommen, der ‚Quality Check‘.

Begleitende Hilfsprozesse sind:

  • Bereitstellen der Bins aus dem Kühlhaus und Positionierung in der Kippanlage mittels Gabelstapler
  • Vorbereiten der Verpackung der Früchte (Kisten mit Plastetüte und Größenaufschrift) und deren Bereitstellung oberhalb der Packtisch-Abschnitte
  • Auswiegen der Kisten und ggf. Korrektur des Füllgewichts, Verschließen der Tüte sowie manuelles Abstapeln auf Paletten
  • Etikettendruck, Aufbringen derselben und Vorkommissionierung der fertigen Paletten mittels Gabelhubwagen
  • Entfernen der zuvor aufgebrachten Sticker von der Frucht bei Aussortierung als ‚Rubbish‘

Das Video wurde vor vier Jahren erstellt und zeigt die Abläufe sehr gut. Im Prinzip hat sich in ‚Pikes Creek Homestead‘ seitdem nicht wirklich viel verändert, deshalb haben wir es zur Veranschaulichung eingebunden.

Jobs beim Verpacken

Welche Aufgaben haben wir übernommen? Dazu ist es wichtig zu wissen, dass die Saison 2017 für den Inhaber der Pflaumenplantage (rund 70.000 (!) Bäume derselben Sorte) als ziemlich desaströs zu bezeichnen ist. Über 60% im Schnitt, an manchen Tagen um 70% der gesamten Ernte sind Ausschuss. Die Pflaumen der Sorte „Queen Garnet Plum“ – Australia‘s own Superfruit sind einfach nicht gelungen: ungleichmäßig reif, von der Sonne verbrannt, ausgetrocknet, zu grün, zu matschig, zu unregelmäßig in der Größe. Eigentlich alles was nicht sein darf, bei einer professionellen Züchtung und Bewirtschaftung. Kein Vergleich zu den Pflaumen, die wir zuvor geerntet haben. Über das Warum wollte sich uns gegenüber keiner eindeutig äußern. Schließlich waren die Brüder Finlay nur ausführende Dienstleister und, naja, man dachte sich wohl seinen Teil dazu. Hätten die beiden das vorher gewusst, wären wahrscheinlich gar nicht so viele männliche Personen eingestellt worden, denn unsere Kernaufgabe wäre eigentlich das Abstapeln gewesen. Da es aber da nicht viel zu tun gibt, werden wir in aller Regel stündlich rotierend eingesetzt.
Zunächst arbeiten wir am Singelator, also da, wo es gilt dafür zu sorgen, dass wirklich nur eine Frucht und nicht drei gewogen und dann falsch abgekippt werden. Eigentlich sollte das von alleine funktionieren, aber je nach Arbeitsgeschwindigkeit der Damen am Anfang der Anlage, fallen mal mehr und mal weniger Pflaumen aufs Band. Hinzu kommt, dass je nach deren Laune und den zu besprechenden Themen, die Anzahl an schlechten Früchten oder Früchten mit Grünzeug dran schwankt.
Sofern es möglich ist, soll alles was dann noch an Fehlern mit durch kommt, schon hier mit Aussortiert werden. Manches wird eben auch erst nach dem Waschen richtig sichtbar. Christians vergebliche Versuche der Prozessoptimierung und somit Arbeitserleichterung an dieser Station wurden regelmäßig von unserem Vorgesetzten torpediert – aber gut, man muss ja nicht…
Weniger spektakulär, aber ohne Frage für uns eine angenehme Arbeit, ist das Vorbereiten der Verpackungskisten. Immer schauen, dass genügend Kisten an jedem Packtisch sind, Beschriften der Kisten und Kämpfen, die Plastetüten bzw. Folienbeutel aufzubekommen. Außerdem gibt es hier unsere nette estische Kollegin Katrin, mit der man sich gut unterhalten kann.
Die vergleichsweise sinnloseste Arbeit ist schließlich das Entfernen der Sticker von den aussortierten Früchten. Hier stehen immer mindestens zwei Personen, bald aber auch fünf, alternierend je nach Bedarf. Der Aufwand der dafür betrieben wird, die Aufkleber bei der großen Anzahl an Ausschuss mittels Messer wieder zu entfernen, ist unverhältnismäßig. Aber es beschert uns einen relativ relaxten Job. Zur Abwechslung von dieser öden Tätigkeit stapeln wir auch manchmal mit ab. Aber es hat auch sein Gutes, denn so gibt es viel rundherum zu beobachten und über andere Dinge nachzudenken.

Fruit Price

Zur Orientierung, was den erzielbaren Erlös bei der ganzen Geschichte betrifft: für 1kg aussortierter Abfall-Pflaumen, die in der Regel zu Saft verarbeitet werden, wie man uns sagt, bekommt man etwa zwei Dollar gezahlt. Dagegen wird für 1kg der besten Qualität der fünffache Preis fällig, ausgewählte große Top-Exemplare erzielen noch mehr. Im Ladenverkauf liegt der Preis ab ca. 15 Dollar/kg.

Unsere Arbeitstage enden zwischen 15 und 18 Uhr, was logischer Weise damit zu erklären ist, dass es mal mehr, mal weniger Bins sind. Die Schwankungen resultieren erstens aus dem Ergebnis der Ernte des Vortags (aber das nur die ersten anderthalb Wochen, danach kommt alles aus dem Kühlhaus) und zweitens aus den Abrufen der Supermärkte, vorwiegend in Brisbane. Nach Erreichen der Unterkunft trinken wir meistens Kaffee, machen Sport, waschen Wäsche, essen Abendbrot, Duschen und gehen nicht wirklich spät ab ins Bett. Als Schlafbegleiter haben wir die letzten gut 14 Tage noch eine Horde Mäuse, die weder scheu noch ruhig sind. Vor allem nachts rennen sie wild durch den Wagen, hinter Verkleidungen lang, aber auch übers Kopfkissen. Zugegeben ein eher zweifelhaftes Vergnügen. Als wir später wieder auf Achse sind, hat sich das Thema aber erledigt.

Stimmung beim Fruit Packing

Ohne Frage ist es eine besondere Situation, wenn sich relativ junge Menschen in einer größeren Gruppe über einen längeren Zeitraum in relativer Abgeschiedenheit aufhalten. Man verbringt fast den kompletten Tag miteinander und kann sich auch nicht wirklich aus dem Weg gehen, selbst nach Feierabend nicht. Es erwächst daraus eine Stimmung, die zwischen Kontakt und versuchter Abschottung, Kollegialität und Stänkereien, Freundschaftlichkeit und Missgunst geprägt ist. Die Kontraste der Begriffe lassen erahnen, dass das „sich beschäftigen mit der Situation selbst“ und wer welche Position einnimmt einen großen Teil unserer täglichen Gespräche ausmachen. Es ist wirklich schwierig, das dazu passende Gefühl rüber zu bringen. Wir verbringen zum Beispiel auch vier oder fünf Abende zusammen, kochen, grillen und schwatzen. Und natürlich tauschen wir uns an der Arbeit täglich aus. Am Ende überwiegen daher die positiven Erlebnisse, das gemeinsame Kennenlernen und die Erfahrungen aus den jeweiligen Ländern. Die verschiedenen Nationalitäten handeln situationsabhängig manchmal vielleicht anders als erwartet, aber over all war’s echt schön.
Größer sind schon die Unterschiede beim Arbeiten. Es klingt vielleicht seltsam, aber wir in Europa haben im Hinblick auf die Arbeitsgeschwindigkeit gegen die Asiaten, in unserem Fall Taiwanesen, keine Chance. Die sind wirklich extrem schnell, ausdauern und hinreichend wiederholgenau. Dagegen sind wir Europäer gar nicht so unähnlich untereinander, wobei der Unterschied als Beispiel zwischen den Esten und uns vor allem darin liegt, dass wir vielleicht noch einen Tick langsamer sind, die sich aber dafür nicht so viele Gedanken über den Ablauf machen. Dafür werden wir dann oft als zu langsam dargestellt, oder halt ‚lazy‘. Andererseits sind in Estland prekärere Arbeitsverhältnisse üblich als wir es in Deutschland im Allgemeinen gewohnt sind, was dem vorherrschenden unverbindlichen Arbeitsstil in Australien entgegenkommt.

Was ebenfalls sehr putzig ist und uns beiden extrem auffällt, ist das Verhalten unserer Vorgesetzten gegenüber den Mitarbeitern. Sie machen durchweg einen auf „Oberaufseher“ und stellen sich demonstrativ neben dich zum Beobachten. Einmal filmt mich sogar ein Besucher, ohne zu fragen und unter lachenden Gesichtern, auch der „Gastgeber“. Undenkbar bei uns daheim und ich kann mir auch nicht verkneifen, ihn darauf hinzuweisen. Wir sind zwar Backpacker und damit so ziemlich die unterste Arbeiterkaste, aber nicht im Zoo.
Hinzu kommt, dass sich vor allem unsere baltischen Kollegen nicht zu schade sind, sich bei jeder Gelegenheit einzukratzen. Die asiatische Fraktion ist hingegen sehr zurückhaltend und spielt das Spiel bemerkenswert routiniert mit. Und den Australier juckt’s eh nicht wirklich was abgeht. Wie gesagt, ein bisschen albern ist das Ganze schon: kein „Good Morning“ vs. Totquasseln; Antreiben vs. Eis essen. Und auch interessant: nur einzelnen Leuten etwas erzählen und dann beobachten, wie sich die Gerüchte verbreiten, anstatt einmal eine klare Ansage zu machen. Aber gut, Führungsstile sind ja unterschiedlich und jeder hat sicherlich individuell unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
Festzustellen ist auch, dass im Verlauf der letzten Endes fünfwöchigen Packarbeit die Stimmung kontinuierlich absinkt und sich asymptotisch dem Motivationsnull annähert. Gerade aufgrund der schlechten Ernte ist irgendwie alles ziemlich egal geworden. Positiv bleibt anzumerken, dass trotzdem alle mehr oder weniger durchziehen und versuchen, das Beste draus zu machen. Aber ehrlich, es reicht dann auch. Wir haben noch ein sehr schönes gemeinsames Abendessen bei Andrew Finlay, wo in größerer Runde Tacos gereicht werden. Wir beide kannten Tacos vorher nicht und sind jetzt umso begeisterter, als sich diese Form des geselligen Beisammenseins als äußerst schmackhaft und zugleich unterhaltsam herausstellt. Allerdings gerate ich einigermaßen in Bedrängnis, als mir die Frau unseres Chefs und bekennende Deutschlandfreundin bohrende Fragen zu europa- und weltpolitischen Zusammenhängen stellt. Gegen Lob kann man sich eben nicht wehren. Und für den Rest der versammelten Mannschaft ist die Nummer eher befremdlich. Im Nachhinein bestätigt mit Nathan (gechillt bis zum Umfallen), dass diese Praxis des Ausfragens über Politik bei einem Dinner normalerweise absolut tabu ist. However, der Abend war trotzdem sehr schön.


Am letzten gemeinsamen Wochenende fahren wir am Samstag nochmal in die Stadt, um abends gemeinsam Pizza zu essen und anschließend in den Pub zu gehen. Dazu quartieren wir uns in weiser Voraussicht auf dem Campingplatz „Top of the Town“ ein, der etwa anderthalb Kilometer vom Zentrum entfernt und somit fußläufig gut zu erreichen ist. Wir essen eine leckere Pizza, verbringen einen Moment mit unseren asiatischen Kollegen in deren gemietetem Haus und landen schließlich
im zentralen Pub, der im kleinen Saal eine Art Disco veranstaltet. Das sei jeden Samstag so und es treffen sich hier alle Backpacker, die Zeit und Lust haben. Insgesamt ist es nett, mit einem leicht durchwachsenen Ende ohne wirkliche Verabschiedung. Wir wachen am nächsten Morgen relativ fit wieder auf und nutzen den Tag noch recht sinnvoll. Dazu weiter unten dann mehr.

Stanthorpe Show

Bereits nach der ersten Woche Einpacken haben wir einen halben Tag frei. Wir entschließen uns aber erst am Folgetag in die Stadt zu fahren, der dann komplett frei ist. Hintergrund ist die alljährlich Anfang Februar stattfindende „Stanthorpe Show“, die ein buntes Potpourri der verschiedensten Erzeugnisse, Gewerke und Tiere der Region Southern Downs zeigt. Die Veranstaltung findet auf dem ‚Showground‘ statt, einen Platz mit meist großer Rasenfläche, der auch für Sportveranstaltungen genutzt werden kann. Er ist Bestandteil jeder halbwegs als Stadt zu bezeichnenden Ansiedlung im ländlichen Australien. In Stanthorpe bieten außerdem eine große Blechhalle und mehrere kleine Nebengelasse ausreichend Präsentationsfläche.
Das Wetter ist hervorragend und so bezahlen wir ein bisschen zähneknirschend die zehn Dollar Eintritt pro Person und Tag. Vom Eingang aus durchlaufen wir zunächst eine Gasse gesäumt mit Fahrgeschäften und Losbuden. Dann statten wir denen zur Vorführung und zum Verkauf stehenden Schafen einen Besuch ab. Die sind wirklich riesig und erinnern eher an Kälber. Allerdings ist es mit dem Fotografieren hier ein bisschen schwierig, so super sind die Unterbringungsumstände nämlich nicht. Dafür ist die rohe Schafwolle ausgestellt und zum Teil auch schon prämiert. Wir schauen weiter und gehen in die große Halle, wo sich Backwaren mit Blumen und Bildern abwechseln und auch die Gemüse- und Fruchtbauern der Region ihre besten Erzeugnisse präsentieren. Quasi: Kunst & Kuchen.

Anschließend geht es draußen weiter. Rund um den Platz haben Gewerbetreibende ausgestellt: Traktoren, Waffen, Baumaschinen, anderes landwirtschaftliches Gerät, Autos und Werkzeugmaschinen! Wir sind interessiert und kommen mit dem Inhaber des Geschäfts aus Toowoomba gut ins Gespräch. Die in China produzierten Drehbänke und kleinen Bohr-/Fräswerke werden hier vergleichsweise günstig angeboten. Er selbst war erst kürzlich zur EMO Milano und schwärmt vom großen DMG mori Stand. Wir unterhalten uns auch mit dem ortsansässigen Ford-Händler, der die Einstellung der australischen Produktion beklagt und mitteilt, dass es in Australien mehr als 60 verschiedene Marken zu kaufen gäbe – ein wirklich besonderes Wettbewerbsumfeld.
Weiter herum finden dann noch die Vorführungen von Rindern und Pferden statt, ebenso wie laufendes Dressurreiten im Inneren der Anlage. Wir ruhen uns ein bisschen aus und begucken von der Tribüne das bunte Unterhaltungsprogramm mit wechselnden Musikgruppen. Für uns war es ein schöner Tag, der uns am Leben in ‚Rural Australia‘ teilhaben ließ. Am Abend findet auch noch ein Feuerwerk statt, das wir jedoch nicht mehr sehen, da wir vor Einbruch der Dunkelheit zum Objekt zurückkehren.

Southern Downs National Parks

 
Bereits im letzten Artikel hatten wir anklingen lassen, dass wir schon eine knappe Woche vor Beginn der Arbeit wieder in Pikes Creek waren. So konnten wir flexibel reagieren und wären praktisch jederzeit startklar gewesen. Ein bisschen Abwechslung schadet aber nie und so unternehmen wir nochmal eine Tour in der näheren Umgebung.
 

Sundown National Park

Wir starten vormittags in den „Sundown National Park“, der ca. 60km in Richtung Texas liegt. Hier haben wir schon eine vergleichsweise einfache Rundwanderung gemacht, mal sehen, was sich heute anbietet. Gegen um zehn erreichen wir den kleinen Parkplatz in der „Broadwater Camping Area“ und studieren die Routenvorschläge auf der aushängenden Karte. Wir entschließen uns eine Schlucht zu durchwandern, weil wir hier auch weniger Sonne erwarten. Zunächst führt unser Weg auf bekanntem Terrain wieder bis kurz vor das ‚Permanent Waterhole‘, zweigt jedoch vorher nach links ab und verläuft sich unmittelbar danach im Gestein. Zunächst zweifeln wir ein bisschen, ob wir richtig sind, aber irgendwo anders lang geht auch nicht – also weiter! Größere Steine und Findlinge wechseln sich ab mit dichterem Bewuchs halbhoher, schattenspendender Bäume. Jeder Tritt will einigermaßen wohl überlegt sein, so oft scheint hier keiner herzukommen. Also wer weiß, was an Getier auf uns lauert.
Es geht moderat bergan, zweifellos ein Wasserlauf und während der Regenzeit vermutlich unpassierbar. Die angeschwemmten Bäume deuten darauf hin, was für Wassermassen hier mitunter hinab strömen. Nach etwa zwei Stunden gelangen wir schließlich zu einem kleinen, mit eher dreckigem Wasser gefüllten Bassin, wo ein Weiterkommen nur mit leichten Klettereinlagen möglich ist. Rechts vorbei, um einen Felsvorsprung herum und anschließen eine etwa zehn Meter hohe Wand hinauf (Foto von oben, Blick zurück). Dank Erfahrungen vorangegangener Urlaube meistern wir diese Schlüsselstelle problemlos und gehen weiter relativ einfach voran. Eine halbe Stunde später kommt aber wirklich nicht mehr viel Neues und so entschließen wir uns nach kurzer Vesper, den Rückweg anzutreten. Wider Erwarten kommen wir sehr viel zügiger voran als gedacht und erreichen nach insgesamt rund viereinhalb Stunden wieder den Parkplatz. Unterwegs finden wir noch einen Schädelknochen, heißt also, wir waren nicht ganz allein.

 
 

Girraween National Park

Am Sonntag, den 26. Februar 2017 sind wir aufgrund der vorabendlichen Feierlichkeiten noch der Stadt und treffen unsere Kollegin Dulsi „Die Chefin“ (sie ist der ‚Speed-Regulator‘ am Band). Wir schlendern ein bisschen herum und verabreden uns zum Mittagessen. Danach will sie aber noch zu McDonalds und einige Dinge im Internet erledigen – Free Wifi sei Dank. Wir sind zunächst ein bisschen ratlos, weil bei dem wirklich super-tollen Wetter wollen wir nicht drin hocken. Da ein entferntes Ziel nicht infrage kommt, fahren wir nochmal in den beeindruckenden „Girraween National Park“, der nur eine knappe halbe Stunde entfernt liegt
Über den zentral gelegenen Campingplatz geht es sehr gemächlich bergan einen schmalen Pfad entlang. Im Wald liegen wieder überall Steine herum, unser Ziel ist heute aber der Gipfel des „Castle Rock“. Die relativ kurze und eher wenig anspruchsvolle Strecke hat nur zum Ende hin kleine Kletterpassagen. Allerdings bietet sich von hier oben auch wieder ein herrlicher Ausblick über die Landschaft. Im Windschatten sonnen wir uns noch ein bisschen, ehe wir den Abstieg beginnen. Schnell noch im IGA einkaufen und dann geht es zurück zur Farm.

 
 

End of Season

Am Freitag, den 3. März 2017, haben wir schließlich unseren letzten offiziellen Arbeitstag im Packing Shed. Gegen Mittag sind alle Bins abgearbeitet, jetzt geht es ans Revier reinigen. Wer nun dabei alles mitmacht und wer nicht, geschweige denn was eigentlich genau zu machen ist, erschließt sich uns nicht. Aber ganz Australia-like und mit der nötigen Hands-on Mentalität bekommen wir zu fünft und nach gut zwei Stunden Arbeit ein einigermaßen anständiges Bild zusammen. Wir werden noch von Graham überrascht, der uns vorschlägt, morgen doch nochmal einen halben Tag zu arbeiten. Da nichts weiter anliegt willigen wir ein und holen am Samstagmorgen Katrin und Dulsi ab, die ebenfalls zugesagt haben. Wir fahren mit ihnen zur Plantage auf den Berg, auf den wir immer gejoggt sind. Dort müssen wir Klipse entfernen, mit denen die kleinen Bäume an Drahtseilen fixiert sind. Nichts leichter als das und für diese letzte
Arbeit müssen wir uns jetzt auch wirklich nicht mehr überschlagen, auch wenn die Damen da anderer Meinung sind. Zur Mittagszeit sind wir damit durch, waschen noch eine Maschine mit Wäsche und räumen alles Gerödel zusammen. Für den Abend haben wir uns verabredet, kochen zusammen etwas, schauen noch kurz fern und verabschieden uns schließlich voreinander. Die Asiaten sind schon in der Stadt, was ein bisschen schade ist. Auch Nathan kann ich am nächsten Morgen nur hastig ‚Goodbye‘ sagen – ein bisschen typisch für Australien, wo in freundschaftlicher Hinsicht nichts wirklich Bestand zu haben scheint. Morgen früh verlassen wir die ‚Pikes Creek Orchard‘, Familie Finlay und Stanthorpe, wo wir so viele Wochen unseres Aufenthaltes in Australien verbracht haben. Auf zu neuen Abenteuern!

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