Fraser Island & Sunshine Coast

 
Auf unserem kleinen Abstecher gen Norden besuchen wir die Sunshine Coast und Noosa Heads – besichtigen die riesige Wanderdüne Carlo Sandblow in Rainbow Beach – und wandern auf Fraser Island,
der größten Sandinsel der Welt.
 

Sehenswürdigkeiten Sunshine Coast & Noosa Heads

Am vorletzten Freitag im November setzen wir unsere Tour aufgrund der Unterbrechung beim Fruit Picking fort. Brisbane war ganz nett, jetzt liegt erstmal Sunshine Coast vor uns. Nur anderthalb Stunden Fahrt sind es von Brisbane aus bis an die endlos langen Sandstrände und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Region ausschließlich vom Tourismus bzw. den Kurzurlaubern aus der Stadt lebt. Es sind sogar 84% Australier, die hier ihre freie Zeit verbringen. Das gesamte Gebiet erstreckt sich über etwa 60km entlang der Pazifikküste und hat um die 300.000 Einwohner. Die „University of Sunshine Coast“ wurde erst 1996 eröffnet und ist eine der modernsten in ganz Australien. Wir quartieren uns für 40,- Dollar im „Mudjimba Beach Holiday Park“ ein und sind von dem gebotenen Standard echt begeistert, der so gar nicht Backpacker-Like ist. Die riesigen Waschmaschinen nutzen wir gleich, um für die bevorstehenden Tage präpariert zu sein.
Wie schon in den letzten Tagen ist das Wetter absolut perfekt und so freuen wir uns nach den drei Tagen Bitumen, auch mal wieder Sand unter die Füße zu bekommen. Entlang des Strandes zu spazieren, die Brandung zu hören und das warme Wasser an den Füßen zu spüren ist schon etwas Besonderes, vor allem weil man alles praktisch für sich allein hat. Da fällt es schwer sich vorzustellen, dass es in der Heimat schon recht winterlich zugeht.

Nach einem nicht zu späten Abendessen machen wir uns nochmal auf eine Runde zu Fuß, stellen aber ernüchtert fest, dass auch hier keinerlei vernünftige Fußwege angelegt sind. Die Europäer haben in der Hinsicht eben eine andere Kultur. Dafür entdecken wir ein Neubaugebiet mit super-schönen Häusern, die bei dem Preisniveau in Australien und dann auch noch unmittelbar am Strand gelegen wohl deutlich jenseits sechsstelliger Beträge liegen dürften.
Am nächsten Morgen lernen wir beim Aufwaschen unseres Geschirrs eine Familie aus Deutschland kennen, die seit zehn Jahren in Brisbane lebt. Sie ist Bauingenieurin und hat unmittelbar nach dem Studium eine Arbeit bekommen. Er ist eigentlich Automobilkaufmann, hatte dazu aber keine Lust mehr und arbeitet heute als LKW-Fahrer auf regelmäßigen Touren. Die beiden haben zwei Söhne. Im Gespräch kommen wir wie schon zuvor mit Familie Engelhardt in Coffs Harbour an den Punkt, wo es denn nun besser sei: Deutschland oder Australien? Die Dinge abzuwägen, die für oder gegen das Auswandern sprechen, ist definitiv nicht leicht. Und ohne schon einmal im Zielland gearbeitet zu haben oder wenigstens unmittelbare Aussicht auf einen Job zu haben dürfte es vielen schwerfallen, wirklich anzukommen.
Insgesamt haben wir aber auch hier wieder den Eindruck, dass die Wurzeln unverkennbar sind und damit verknüpft auch immer eine leichte Süffisanz, was australische Gepflogenheiten und Gegebenheiten betrifft. Die beiden empfehlen uns auf unserer Weiterfahrt nach Rainbow Beach bzw. Fraser Island noch einen Abstecher nach Noosa Heads zu machen – gesagt, getan; auf geht’s!
Nur 30km weiter nördlich gelegen ist Noosa Heads wahrscheinlich einer der teuersten Orte in Australien zum Urlaub machen. Das einerseits ein wenig verträumte Örtchen, andererseits das doch auffallende Gros an hochwertigen Objekten, Geschäften und Restaurants sowie Booten in der idyllischen Atmosphäre des „Noosa Nationalpark“ lockt vor allem Einheimische hierher und denen das Geld aus der Tasche. Zunächst fahren wir noch kurz auf einen angepriesenen „Scenic Lookout“ – so heißen die besonders tollen Aussichtspunkte hier – und stellen fest, dass ein ähnliches Problem herrscht wie in Ruhla. Es gibt ihn zwar, den Blick, aber leider stehen Bäume bzw. Gestrüpp davor. Unten in der Stadt ist es echt ein Krampf, einen Parkplatz zu finden, aber als auch das geschafft ist gönnen wir uns einen Kaffee mit Strandblick. Anschließend unternehmen nur einen kurzen Spaziergang, ehe es weiter in den „Great Sandy Nationalpark“ geht.


Carlo Sandblow und Rainbow Beach

Der Weg dorthin führt uns abseits des Motorway über Land und da kann es auch schon mal vorkommen, dass die Asphaltdecke irgendwo spontan endet und das Schild „Gravel Road“ einen unbefestigten Abschnitt ankündigt. Hinzu kommt noch, dass vor einer dramatischen Steigung gewarnt wird – im Endeffekt viel Wind um fast nichts, denn der Weg führt zwar bergauf, aber nicht mehr als normale Straßen in den heimatlichen Mittelgebirgen. Nach etwa einer viertel Stunde haben wir dann wieder das endlose schwarze Band unter den Rädern und rauschen Rainbow Beach entgegen. Bemerkenswert sind hier die riesigen Wälder, in denen die Bäume wie in einer Plantage in Reih und Glied stehen, durchschnitten von Wirtschaftswegen. Nach knapp zwei Stunden Fahrt über 120km sind wir da. Rainbow Beach bietet mit ca. tausend Einwohnern nicht wirklich viele Sehenswürdigkeiten. Der Name rührt vom Strand her, in dessen Sand man angeblich bei bestimmten Lichteinfällen die Farben des Regenbogens erkennen kann. Wir haben geschaut und nichts Entsprechendes feststellen können – andere auch nicht, wie wir später zurück an der Arbeit erfahren sollten. Schlecht ist der Strand deswegen trotzdem nicht. Dafür nennt sich der Ort „Gateway to Fraser Island“ und


hat neben dieser etwa 10km nördlich gelegenen Naturbesonderheit auch noch den „Carlo Sandblow“ zu bieten, eine riesige Wanderdüne. Vom eigens dafür angelegten Parkplatz führt ein knapp viertelstündiger Fußmarsch zu einem Aussichtspunkt, der den Namen auch verdient: am Rande einer überdimensionalen Rinne gelegen blickt man über das insgesamt etwa 15ha große Areal. Der gebotene Ausschnitt, der durch den vom Meer her wehenden Wind entstanden ist, ist freilich nicht so groß, aber nicht minder beeindruckend. Wir lassen unsere Schuhe stehen und erkunden die geschätzt 400m breite und 600m lange Rinne, die etwa 30m über dem Meer beginnt und auf ca. 100m ansteigt. Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis! Den Winden und der Thermik geschuldet, sind hier auch Paraglider anzutreffen, deren Flugkünste wir bewundern. An den Rändern der Naturformation sieht man gut, wie die ganze Sache auf „Wanderung“ sein muss. Bäume werden vom feinen Sand verschlungen und wahrscheinlich bietet sich bei jedem Besuch ein ganz neuer Anblick. Nach einer guten Stunde Aufenthalt geht es zurück durch Rainbow Beach nach „Inskip Point“, einer Landzunge mit vielen Campingmöglichkeiten und schließlich auch der Fähre nach Fraser Island.


Fraser Island entdecken

Vom Campingplatz (leider nur mit Plumpsklo und ohne Trinkwasser, geschweige denn Duschen; dafür nur 6,15 Dollar pro Nacht) legt regelmäßig die Fähre „Manta Ray“ (Manta-Rochen) zum UNESCO Weltnaturerbe „Fraser Island“ ab. Am Abend prüfen wir noch kurz den Fußweg zum Anleger (der Strand, nix weiter) und sind am nächsten Morgen voller Vorfreude, die größte Sandinsel der Welt zu erkunden. Sie misst etwa 124km mal 15km und ist damit etwa halb so groß wie Rügen. Die höchste Erhebung liegt ca. 240m ü.NN. Entlang der Ostseite führt direkt auf dem Sandstrand der offizielle „75 Mile Beach Highway“. Wie auf der gesamten Insel sind hier nur Fahrzeuge mit Allradantrieb zulässig, was angesichts der ‚Straßenbedingungen‘ absolut gerechtfertigt ist. Neben dem vielen Sand bietet die Insel noch Mangroven und Eukalyptuswälder sowie über 200 Süßwasserseen verschiedener Größe, gespeist vom Regenwasser. Außerdem ist Fraser Island noch Heimat von ungefähr 300 Dingos, die zum Teil ziemlich zutraulich sind, wie noch feststellen werden. Zum Baden eignen sich die Strände an der Küste im Übrigen weniger, da es hier schon hin und wieder Haie gibt und wohl auch recht starke Strömungen.
Soviel zur Theorie, los geht’s. Wir parken unseren Wagen vom Campingplatz auf den offiziellen Parkplatz um und überlegen uns auf halben Weg zur Fähre, dass es wahrscheinlich doch besser ist, wenn wir unsere Strohhüte mitnehmen. Im Nachhinein betrachtet eine weise Entscheidung.
Die Sonne strahlt und es weht nur ein leichtes Lüftchen. Wir gehen an Bord der Fähre, wo wir eigentlich erwartet hatten, als Fußpassagiere 5,- Dollar pro Person hin/rück zu zahlen. Da mit den restlichen Transfers aber offenbar genug eingenommen wird, winkt der freundliche Kassierer ab. Die Überfahrt dauert etwa zehn Minuten und auch auf der Insel kündet nur ein Schild im Sand, dass hier die Fähre anlegt. Ein bisschen bemitleidenswert werden wir angeschaut, als wir uns denn per Pedes auf Tour begeben. Der Sandstrand ist abermals sehr fein und fest und zwischen einem und geschätzt mehr als 150m breit, auch recht stark abhängig von den Gezeiten. Die Weite an Sand und flachem Gras- und Buschbewuchs ist schon wirklich besonders und wir wandern etwa zwei Stunden um die Südspitze von Fraser Island herum gen Norden. Unterwegs schleicht sich fast lautlos ein Dingo Heran und begleitet uns ein ganzes Stück, ehe er sich wieder davon macht. Zwar süß einerseits, aber auch ein bisschen bedrohlich. Nach einem kurzen Mahl in den Dünen treten wir unseren Rückweg an. Einige Bereiche am Strand sind durch die aufkommende Flut schon so stark überflutet, dass kein Auto mehr durchkommt. Zurück am ‚Fähranleger‘ müssen wir noch etwa eine viertel Stunde warten und beobachten dabei Pelikane im seichten Wasser. Wir setzen wieder über nach Inskip Point und beschließen damit unsere kleine Expedition.


Warum haben wir uns für diese Variante Fraser Island zu entdecken entschieden? In erster Linie hat es finanzielle Gründe, die beim Work and Travel nun mal nicht von der Hand zu weisen sind. Geführte Touren im Bus starten bei etwa 150,- Dollar, was uns einfach schon zu viel war. Für um die 400,- Dollar kommt man dann in den Genuss, mit einem Allradfahrzeug selbst hinter einem Guide herzufahren. Verschiedene Unfälle der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass die ganze Sache für australische Verhältnisse recht rigide geworden ist. Damit möchten wir keinesfalls von einem Besuch abraten. Jedoch wenn man nicht bereit ist, relativ viel Geld zu investieren oder alternativ beispielsweise von Hervey Bay an der Westküste quer über die Insel zu Laufen und dabei den ausgeschilderten Fußwegen zu folgen, ist ein solcher Ausflug zwar nett, aber auch nicht übermäßig spektakulär. Damit deckt sich unsere eigene Beobachtung mit der Einschätzung sowohl unserer französischen Kollegen (O-Ton: ‚boring‘) bzw. mit der der Australier (‚too expensive‘).
Zurück in Rainbow Beach betrachten wir uns nochmal abschließend den
Strand von einem unmittelbar im Ortskern gelegenen Aussichtspunkt, ehe wir noch einen Kaffee trinken und ein paar Pommes essen. Danach geht es etwa 50km retour zum „Standown Caravan Park“, gelegen auf einer Hochebene und einseitig begrenzt von den besagten Baumplantagen. Auf einem ehemaligen Kürbisacker ist mit Unterstützung vieler Veteranen der australischen Armee ein gut ausgestatteter, ruhiger und beschaulicher Campingplatz entstanden. Viele sind Stammgäste oder Dauercamper. Wenn man vor allem auf Ruhe und Abgeschiedenheit steht, ist es hier sehr schön. Ein Teich mit einem liebevoll angelegtem Park drum herum rundet das Ensemble treffend ab. Nach einer Dusche steht uns eine ruhige Nacht bevor. Leider haben wir vergessen unsere Beine einzucremen, die ja sonst in den langen Arbeitshosen stecken und so spannt es doch recht stark an den Waden. Die senkrechte Sonne kommt aber auch wirklich überall hin! Morgen geht’s dann ab ins Landesinnere und über Kingaroy und Toowoomba zurück nach Stanthorpe, wo unser Working Holiday weiter geht.