Canberra Sehenswürdigkeiten

 
In Canberra lernen wir einmal mehr eine neue Seite Australiens kennen – erkunden das Parlamentsgebäude, verschiedene Museen und die Aussichtspunkte in und um die Stadt – und genießen die Ruhe am See „Burley Griffin“ und beim Kaffee auf der Terrasse am Regatta Point.
 

Canberra | Australian Capital Territory


Tja, da sind wir nun! Warum? Aus Neugier. Schätzungsweise 90% aller Derjenigen, mit denen wir über unsere Reiseroute im Vorfeld gesprochen haben, hat uns mehr oder weniger abgeraten, hierher zu kommen. Oder vielleicht für maximal einen Tag, der Form halber. Aber was wäre ein Backpacking-Abenteuer in Australien ohne die Hauptstadt besucht und mit offenen Augen erkundet zu haben? Okay, let’s go!
Vorweg kurz gefasst ein paar allgemeine Infos: Canberra wurde im Zuge eines Streits zwischen Sydney und Melbourne um die Frage, welche der beiden Städte Hauptstadt von Australien werden soll, 1911 ausgewählt. Außer ein paar Farmen gab es hier zu der Zeit nix, und auch heute ist rund um die größte Stadt im Landesinneren (gut 350.000 Einwohner) außer Bergen und Busch nicht so wirklich was los. Der neue Bundesstaat „Australian Capital Territory“ ACT wurde aus New South Wales herausgelöst. Die Stadt selbst hat sich indes ziemlich eindrucksvoll gemacht. Angelegt als eine Planstadt, mit vielen Grünflächen, einem Stausee, durchdachter Verkehrsinfrastruktur und Stadtteilen als funktionale Einheiten, ergänzt um Museen und Gedenkstätten ist ein naturgemäß strukturiertes, aber in sich stimmiges Ensemble entstanden. Die Bauarbeiten gingen gerade während des ersten Weltkriegs sowie im Zuge der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre nur schleppend voran, so dass 1947 gerade einmal 17.000 Menschen hier lebten und Kühe auf den Wiesen um das provisorisch (aber massiv und repräsentativ) errichtete Parlamentsgebäude grasten. Ein richtiger Schub setzte erst zwischen 1960 und 1975, wo sich die Bevölkerungszahl nahezu vervierfachte, auf gut 200.000 Einwohner.
In dieser Zeit wurden neue Stadtteile in Form von Vororten gebaut und schließlich 1988, anlässlich des zweihundertjährigen Bestehens Australiens, das neue Parlamentsgebäude eröffnet. Damit wurde ein wesentlicher Baustein der Stadt vollendet, wenngleich nach wie vor Neu- und Erweiterungsbauten entstehen.
Der Zuzug aus anderen Landesteilen hält an, allerdings weniger dynamisch. Die Bevölkerung ist jung, durchschnittliches Alter 32 Jahre, die Bildung gut, rund 30% haben einen Bachelor-Degree bzw. gleichwertig oder höher (Rest-Australien 19%). Alle arbeiten mehr oder weniger in der Staatsverwaltung bzw. der zum Stadtbetrieb notwendiger Weise dazugehörenden Dienstleistungsbranche. Industrie spielt keine Rolle. Im Mittel auf 630m über dem Meer gelegen ist das Klima relativ trocken, sonnig und warmgemäßigt, mit ausgeprägten Jahreszeiten. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt ca. 12°C.
Weiterführend Interessierten sei einmal mehr Wikipedia empfohlen, wo auch in deutscher Fassung detailliert auf verschiedene Aspekte eingegangen wird. Und: die gleich am Textanfang verlinkte Audiodatei offenbart, dass Canberra gänzlich anders ausgesprochen wird, als wir es gemeinhin tun.
Bei der Präsentation der folgenden Sehenswürdigkeiten wollen wir nicht zu sehr ins Detail gehen, da wir ersten nicht alle besucht haben und zweitens anstelle der harten Fakten (die mannigfach nachzulesen sind) eher die Stimmung und unsere Gedanken aufgreifen wollen, die uns bei deren Besuchen kamen.

Parliament House & National Library

Wir starten unseren ersten vollen Tag in Canberra ganz klassisch mit der Besichtigung des neuen „Parliament House“. Das Parlamentsgebäude, in dem die zwei Kammern der australischen Regierung tagen und die Abgeordneten ihre Büros haben, befindet sich südwestlich des zentralen Sees und liegt mehr unter als über der Oberfläche. Es ist mehrere Stockwerke tief in den „Capital Hill“ hineingebaut und ragt nur zu einem Bruchteil aus der Erde hervor. Drinnen kann man für zwei Stunden kostenfrei parken und einige der Öffentlichkeit zugängliche Bereiche besichtigen, inklusive den parlamentarischen Sitzungssälen. Von der Dachterrasse unterhalb der ca. 80m hohen Pyramide aus Stahl mit der Flagge Australiens hat man eine schöne Aussicht über die Commonwealth Avenue hin zum Zentrum.
Der Bau macht auf uns einen repräsentativen, wenngleich nüchternen Eindruck. Dunkle Holzvertäfelungen im Stil der 80er Jahre wechseln sich ab mit hellen Marmorverkleidungen. Hauptsächlich sehen wir Besuchergruppen, Touristen oder Schulklassen. Die Kantine lädt zu einem kleinen Snack ein, die Preise sind moderat. Hier kann man vis-a-vis zu den gewählten Volksvertretern seinen Kaffee trinken und vielleicht ins Gespräch kommen. Wir bekommen gezeigt, dass Lobbyarbeit auch hier zum daily Business gehört. Hektik kommt keine auf.

 
 

Ein paar hundert Meter weiter unten steht direkt am See die Bibliothek „National Library of Australia“. Ein quaderförmiger Bau aus Stahlbeton und Glas, in dessen Innerem sich wie schon zuvor eine ungeahnte Opulenz zeigt, mit der man Gebäude gestalten kann. Einerseits Bauhaus-like reduziert, klar und funktional, andererseits mit feinsten Materialien (auch hier wieder massig Marmor) und in handwerklicher Perfektion ausgeführt. Würden die Australier anderswo auch nur ansatzweise so akribisch bauen, wären vielleicht auch die horrenden Immobilienpreise zu begründen. Viele Studenten halten sich hier auf, aber auch relativ viel Personal. Im Gegensatz zu Deutschland wird gerade im Bereich der Volksbildung ziemlich viel Geld zentral von staatlicher Seite aus eingesetzt.
Unweit in östlicher Richtung gelegen finden sich noch die „National Gallery“ und der „High Court“, der oberste Gerichtshof von Australien.
Allen Gebäuden ist gemein, dass sie in ihrer Architektur typische Vertreter eines Stils sind, der vor allem im sozialistischen Block im Europa der 70er und 80er Jahre praktiziert wurde. Moderne Materialien und geradliniges Design, große Freiflächen, breite, flache Treppen und Wasserspiele vermitteln einerseits Großzügigkeit und andererseits die Notwendigkeit zu Gemeinschaft, ohne die sich der Einzelne hier verloren fühlen könnte.
Diesseits des Sees sei noch auf die Münzprägeanstalt „Royal Australian Mint“ verwiesen, die westlich des Capital Hill gelegen und auch einen Besuch wert ist. Das haben wir aber irgendwie verpennt, ehrlich gesagt. In der City kaufen wir in der obligatorischen Shopping Mall noch ein bisschen zu Essen ein, ehe sich unser erster Tag hier schon wieder dem Ende zuneigt.

Mount Ainslie Lookout & National War Memorial

Nach einer kalten Nacht im Campervan verspricht der klare Himmel einen sonnigen Tag. Wir wollen das schöne Wetter nutzen und den im Nordosten gelegenen „Mount Ainslie Lookout“ besuchen. Ein empfehlenswerter Aussichtspunkt, von dem einen Canberra zu Füßen liegt. Entlang des Stadtteils Fyshwick und des internationalen Flughafens erreichen wir über eine steile Straße binnen einer viertel Stunde den Gipfel in 842m ü.NN. Wie fast überall in Australien ist natürlich auch hier die Anreise mit dem Auto üblich und zusätzliche Wandereinlagen wie in Europa eher selten. Also raus aus dem Wagen und gestaunt! Von hier oben fallen die Stadtstruktur, die gestalteten Sichtachsen und damit die Verbindung national maßgebender Entitäten besonders ins Auge. Was auch auffällt ist das recht hügelige und karge Umland und das es der große Buschbrand 2003 bei all dem Grün in der Stadt nicht wirklich schwer gehabt haben dürfte – ca. 500 Häuser wurden zerstört und vier Menschen fanden den Tod. Von hier aus hat man auch einen guten Blick auf den „Telstra Tower“ auf dem Black Mountain am gegenüberliegenden Ende der Innenstadt. Ebenfalls ein tollen Aussichtspunkt, aber nur mit Eintritt auf den Turm sinnvoll.

Als nächste Station gleich in der Nähe haben wir das „National War Memorial“ auserkoren. Es steht in Verlängerung der Winkelhalbierenden eines gleichschenkligen Dreiecks, dessen Spitze das Parliament House bildet und dessen Seiten einmal die Verbindung zur Innenstadt und einmal via Kings Avenue das Verteidigungsministerium sind. Das Kriegsdenkmal selbst steht am obersten Ende der ANZAC Parade, einer Prachtstraße gesäumt mit Grünflächen, Beeten und Pflanzkübeln. Perfekter kann die Illusion kaum sein.
Wir begeben uns zunächst auf die zum Museum dazugehörende Ausstellungsfläche unter freiem Himmel. Hier warten vor allem Kanonen verschiedener Kaliber, Baujahre und Herkunft auf staunende Besucher. Teile eines Zerstörers (Schiff) sind aufgebaut, Panzer und Militär-LKW. Alles ist zum Anfassen und steht scheinbar zufällig da, ausführlich informieren Tafeln über die Exponate. Im nahen Park aber auch ums Denkmal selbst stehen noch verschiedene Skulpturen, die sich mehr oder minder dem Thema bewaffneter Konflikte widmen. Tatsächlich startet hier auch ein Wanderweg zum vorhin besuchten Berg.

Das National War Memorial ist ein ziemlich großer Bau, wurde schon 1941 fertiggestellt und erinnert namentlich an die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege. Ein Wasserbassin und eine darin lodernde ewige Flamme verleihen den teilweise mit Rosen geschmückten Stein- und Stahlwänden ein andächtiges, getragenes Ambiente. Im Inneren des Baus warten zwei Ausstellungsbereiche (entsprechend der Weltkriege) darauf vom Besucher erkundet zu werden. Wir beschränken uns auf Nr. 2, sind wir doch hier schon fast anderthalb Stunden unterwegs. Vor allem technische und taktische Aspekte aller Kriegsparteien stehen im Vordergrund. Außerdem wird in dankbarer Form an diejenigen erinnert, die fern der Heimat im Einsatz ums Überleben kämpften und wie die daheimgebliebenen, vor allem Frauen, die Arbeiten der Männer übernahmen, um nach Kräften den Alltag am Laufen zu halten. Es ist eine Art der Darstellung, die einen Eindruck dessen vermittelt, was der Krieg im Alltag der meisten Menschen bedeutet hat. Wir kennen kein Museum in Deutschland, das diese Art und Weise der Betrachtung fokussiert. Manch einem mag diese Darstellung heroisch erscheinen. Es wird jedoch versucht objektiv und wertungsfrei die Geschehnisse darzulegen und damit dem Besucher Anregung zu weiteren Gedanken zu geben. Ich fühlte mich auf eine spannende Zeitreise mitgenommen.

Lake Burley Griffin & National Museum of Australia

Um bei den Gedanken zu bleiben und sich auszutauschen bietet sich ein Spaziergang entlang der Promenade des „Lake Burley Griffin” im Zentrum der Hauptstadt von Australien an. Der Molonglo River wird am 33m hohen Scrivener-Damm auf eine Länge von rund 11km und maximel 1,2km Breite aufgestaut, was eine Wasserfläche von rund 6,6km² ergibt. Die Uferlinie ist nahezu durchgehend befestigt und bietet Radfahrern, Spaziergängern und Joggern eine tolle Möglichkeit der individuellen Erholung. Hin und wieder laden Bänke zur Rast ein, die Szenerie auf sich wirken zu lassen. Die Fontäne „Captain Cook Memorial Jet“ kann das Wasser bis zu 147m hoch in die Luft schießen, ziemlich spektakulär. Und das „National Carillon“, ein Glockenspiel im rund 50m hohen Glockenturm auf Aspen Island, spielt stündlich eine liebliche Melodie.
Eine richtige Kirche gibt es übrigens bis heute nicht, obwohl sich die Mehrheit der Einwohner dem christlichen Glauben zuordnet, allerdings in verschiedenen Konfessionen. Hier am See befindet sich auch das „Canberra and Region Visitors Centre“, wo freundliche Mitarbeiter viele gute Hinweise über die Gestaltung eines Aufenthalts in der Stadt geben. Und ganz wichtig: gleich nebenan ist das ruhige Kaffee „The Deck“ am Regatta Point, das neben dem koffeinhalten Heißgetränk auch leckere Torten, Chips und andere kleine Snacks serviert. Perfekt, um den Tag auf der Terrasse mit Blick über den See ausklingen zu lassen.

 
 

Am vorletzten Tag besuchen wir noch das „National Museum of Australia“. Ein echt großes Bauwerk, das erst vor ein paar Jahren eröffnet wurde. Hier kann man sich auch ein paar Stündchen aufhalten und anschaulich die Geschichte der Besiedlung des australischen Kontinents nachvollziehen. Dem längeren unten eingebetteten YouTube-Videos folgend sei noch das Westfield Shoppingcenter im Stadtteil Belconnen im Norden von Canberra empfohlen. Es ist wohl eines der besten in Australien.

Unsere Zeit in Canberra neigt sich dem Ende entgegen und nach sechs vollen Tagen heißt es Goodbye. Wir bereuen es keinesfalls hergekommen zu sein. Und es war auch richtig, sich Zeit für das Flair der Stadt zu nehmen. Es ist zweifelsfrei gänzlich anders als in allen anderen Städten, die wir bisher besucht haben.
Die Staatsmacht und die Linientreue der Einwohner ist fast immer spürbar, aber damit verbunden auch der Stolz, an diesem besonderen Ort arbeiten zu dürfen. Wir haben hier noch mehr Ruhe erlebt als in den sowieso schon entspannten anderen Großstädten. Dieses perfekte Idyll kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch hier Jugendkriminalität und Drogenprobleme gibt. Es ist auch ohne Frage ein engeres gesellschaftliches Korsett in das man sich zwängen muss, möchte man hier gut zurechtkommen. Gerade das steht im krassen Kontrast zum sonst sehr liberalen Umgang der Menschen in Downunder miteinander, wo der eine den anderen eben sein Ding machen lässt. Jetzt liegt zum Schluss unseres Aufenthalts nochmal Sydney vor uns, auf das wir beide uns freuen und das uns mit seinem lebensfrohen Flair ein positives Ende unseres Australienabenteuers bescheren wird.
Zusammenfassend die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Canberra (deutsch)
– „Canberra“ typisch deutsch ausgesprochen
Detaillierter Bericht mit vielen tollen Aufnahmen (englisch)
Anreise durch Stanthorpe, Alltägliches, Besonderheiten und Hinweise

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