Abschied von Sydney

 
Australien ist ein Land der Gegensätze. Das haben wir in den vergangenen Tagen verschiedentlich festgestellt: beim Hotel, in den Straßen von Sydney, bei der Suche nach einem passenden Auto. Da wir die Sights in Sydney für uns erledigt haben, geht es nun konkret um den Kauf eines Campervans. Also los!
 

Nachdenken über Australien

Wir haben unseren Ausflug zum Bondi Beach zur absolut richtigen Zeit gemacht. Das Wetter hat mitgespielt und wir haben ein ganz anderes Flair als in der Innenstadt mitbekommen. Der vorletzte Tag im September bleibt die ganze Zeit über verregnet, außerdem kündigt sich bei mir mit einem Kratzen im Hals eine Sinusitis an, die mich noch bis Mitte der Folgewoche beschäftigen wird. Gegensätzlich sind in diesen Tagen im australischen Frühjahr vor allem die ziemlich extremen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Auch wenn die Sonne besonders um die Mittagszeit sehr stechend ist (der Himmel ist viel blauer und klarer als in Europa), geht eigentlich immer an der Küste ein leichter bis stark böiger Wind. Der ist relativ kalt und sobald die Sonne zwischen um sechs und um sieben versinkt, brechen fröstelige Zeiten an. Sicher, es sind bestimmt um die 10°C, aber das bedeutet natürlich, dass eine warme Jacke zum absoluten Muss gehört, wenn man ab dem Frühjahr hier in Downunder weilen will. Damit haben wir im Vorfeld nicht gerechnet und uns deshalb auch nur begrenzt warm ausgestattet. Wir sind aber sicher, dass es jetzt nur noch wärmer werden kann und vielleicht sehnen wir uns an dieses Klima zurück. Trockener ist es auf jeden Fall, heißt Wäsche waschen und trocknen ist kein Thema, aber dadurch brauchen wir auch relativ viel Flüssigkeit und unsere Lippen sind extrem spröde.
Trotz der Tatsache, dass viele mit denen wir gesprochen haben glauben, in Australien gäbe es Arbeit ohne Ende, sehen wir gerade in Sydney recht viele Bettler. Das reicht von denjenigen, die still an einem Ampelübergang oder einer Straßenecke sitzen, über diejenigen, die künstlerische Darbietungen unterschiedlicher Qualität präsentieren, bis hin zu solchen, die einen auf offener Straße ansprechen, eine rührselige Geschichte auftischen und dafür einen oder zwei Dollar erhaschen wollen. Gerade letztere Praxis scheint bei den Einheimischen wohl bekannt zu sein. Das kann nur zur Folge haben, dass wenn wirklich mal jemand Hilfe benötigt, diesem nur begrenzt Glauben geschenkt wird. Was die Arbeiten betrifft, für die wir uns in der ersten Woche per Mail beworben haben, ist kein Feedback eingegangen. Das Thema Arbeit ist also zu relativieren. Vielleicht ist aber auch unsere Methode ungeeignet.

Hotels in Australien

Ein letzter, für uns sehr krasser Gegensatz, ist die Unterbringung in den Hostels. Nach einer knappen Woche haben wir am Freitag das Hotel in Sydney gewechselt, weil es einfach nicht mehr wirklich zumutbar war. In Aussicht auf ein Fahrzeug hatten wir zwar sowieso nicht länger gebucht, aber wir wollten auch nicht mehr länger bleiben. Das Maze (dt. Labyrinth, Anspielung auf die verwinkelte Bauweise; würde in Deutschland niemals genehmigt werden) ist nach außen hin um ein aufgeräumtes Auftreten bemüht. Und grundsätzlich gäbe das die Ausstattung auch her, zumindest, wie sie mal gewesen sein muss. Die Größe der Zimmer ist zwar äußerst beschränkt, aber was ansonsten in dem Objekt abgeht, hat uns nicht zugesagt. Während die Küche und die Abwascheinrichtungen noch einem guten Standard entsprechen (hier wird von einer „Nanny“ laufend hinterhergeräumt), sind die sanitären Anlagen zwar auch prinzipiell in Ordnung, aber die Sauberkeit dort ist unter aller Kanone. Es wird täglich zweimal in jedem Waschraum geputzt, aber es vergehen keine zwei Stunden und es wimmelt von Zahnpasta-Resten, wild verteiltem Klopapier, von Sch**** verstopften Toiletten und gänzlich unter Wasser gesetzten Duschkabinen samt umliegendem Badbereich. Das muss eigentlich wirklich nicht sein, denken wir. Zudem kehrt nachts nur wenig Ruhe ein. Christian konnte regelmäßig über eine anhaltende Geräuschkulisse berichten, während ich dank Ohropax ganz gut schlief. Die gesamte Einrichtung ist zudem dermaßen abgewohnt und versifft, dass wir leider keine Empfehlung aussprechen können. Zudem ist der schon beim Check-in bemerkte Geruch mehr oder minder stark allgegenwärtig und es nicht mal besonders günstig. Unser Fazit: muss nicht sein, ein Erlebnis das gesehen zu haben, war es dennoch.
Das blanke Gegenteil im nächsten Hotel. Nahezu gleiche Bewertung bei Booking, nahezu gleicher Preis. Das Siesta Inn Sydney wirkt nach außen hin eher unscheinbar, der Empfang ist jedoch deutlich feiner und im Objekt selbst herrscht fast absolute Stille. Das mag an der insgesamt etwas älteren Klientel liegen, oder einfach an einem anderen Gesamtkonzept. Jedenfalls wird uns anstatt einem einer Abstellkammer gleichenden Loch, ein wenigstens 20 m² großen Gemach mit Queensize-Bett und separatem Einzelbett zugewiesen. Das sowohl die Küche, der Aufenthaltsraum als auch die Bäder wesentlich sauberer sind, erübrigt sich fast zu erwähnen. Außerdem tut es gut, endlich mal wieder frei atmen zu können. Außerdem kostet das Waschen der Kleidung nichts, die beiden Damen an der Rezeption geben auch bereitwillig Waschpulver heraus. Im Übrigen sind sie ausgesprochen höflich und unterstützen bereitwillig in verschiedenen Belangen: Umbuchung bzw. in unserem Fall Verlängerung, Ausdruck von Unterlagen, Aufbewahrung von Post an dieser Adresse von bis zu vier Monaten. Man kann auch anrufen, dann scannen sie es ein und schicken die Post per Mail. Wir sind begeistert, dass es sowas noch gibt. Und dieser Service für keine 25,– EUR pro Person und Nacht, exkl. Frühstück (wird selten angeboten). Und das in der australischen Metropole schlechthin.


Campervan kaufen in Australien

Ursprünglich wollten das ganze Thema Hotel ja eigentlich schon früher abschließen. Für uns stand fest, wir möchten mit einem Campervan Australien erkunden und Work and Travel in seiner besten Form genießen. Außerdem wurde uns im Vorfeld von meinem geschätzten Kommilitonen Falco zu diesem, wenn auch zunächst kostspieligen, Schritt geraten. Die täglichen Kosten sinken durch den Wegfall des Hotels dramatisch und für die Kosten eines Hotelaufenthalts pro Person kommt man ungefähr 300 km weit(er). Bereits vor unserer Abreise nach Australien war es vor allem mein Part, nach potentiell interessanten Fahrzeugen Ausschau zu halten. Dazu bietet sich das Portal gumtree.com.au an, da gibt es nichts, was es nicht gibt. Zum Thema Campervan und was dabei im Detail unserer Meinung nach zu beachten ist, werde ich separat nochmal etwas schreiben, da das den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde. Deshalb nun zu unseren eigenen Erfahrungen, was die Suche und schlussendlich das Ergebnis anbelangt.
Bestimmt seit Montag oder Dienstag, als wir noch im Maze waren, habe ich relativ rege zuerst gesprochen und dann mit einer Dame aus den Niederlanden geschrieben. Sie sei am Samstag auf dem Weg nach Sydney und könne uns am Sonntag Nachmittag treffen. Den Ort sollten wir vorschlagen. Gut, dachte ich, treffen wir uns etwas außerhalb in Concord, wo wir die örtlichen Gegebenheiten kennen und eine Probefahrt gut durchzuführen ist. Wir sind nach mehrfacher Rückversicherung am Sonntag schließlich dort gewesen, jedoch: zehn Minuten vor dem avisierten Treffzeitpunkt erhalte ich auf meine Mitteilung, das wir vor Ort sind, die Nachricht, dass das Fahrzeug sei nicht mehr verfügbar, weil gerade eben verkauft sei. Wir sind beide etwas fassungslos und Christian zweifelt wieder (berechtigter Weise) am grundlegenden Geschäftsgebaren mancher Leute. Ein „I’m sorry“ beschließt die Konversation mit der Dame, nachdem ich ihr mein Unverständnis ausgedrückt habe.

Wir machen uns also wieder zurück auf den Weg nach Sydney Central in unser lieb gewonnenes Siesta Inn und legen am selben Abend noch los, nach etwas Neuem zu suchen. Das gleiche Modell wurde just an diesem Tag inseriert und so rufe ich direkt an. Ein leider etwas schwer zu verstehender Herr (Spanier wie er gleich mitteilt) bestätigt, dass der Wagen zur Verfügung stünde und ob wir uns gleich morgen Nachmittag treffen wollen. Aber sicher wollen wir das! Also checken wir noch schnell die beste Busverbindung nach Manly, einem Stadtteil von Sydney, der auch für seinen schönen Strand und die dortige Szene bekannt ist.

Am Montag Morgen machen wir also gleich nach dem Frühstück los zur Westpac Bank, um das nötige Geld abzuheben. Jedoch ist Feiertag (was wir nicht mitgeschnitten haben) und so bekommt jeder nur 800,– AUD pro Tag. Na gut, wir werden schon eine Lösung finden. Der Bus fährt pünktlich ab und wir überqueren nochmal fahrend und vollständig die Harbour Bridge. Die freundliche Busfahrerin gibt uns auch Bescheid, wo zum Umstieg in eine andere Linie aussteigen müssen. Die Busverbindungen sind doch etwas unübersichtlich. Klappt aber alles prima und wir erreichen pünktlich den vereinbarten Treffpunkt. Der Spanier verspätet sich aufgrund des Feiertagsverkehrs leider etwas und ohne viele Worte (ein Parkplatz ist leider nicht da) wechsle ich gleich auf den Fahrersitz und los geht die Probefahrt mit unserem potentiellen Wagen. Mehr oder weniger durch Zufall gelangen wir wieder auf den Highway Richtung Sydney, was zumindest kurzfristig etwas höhere Tempi ermöglicht. Wir halten schließlich nach etwa einer viertel Stunde Fahrt auf einem Parkplatz und beschauen das Fahrzeug im Stand. Hajo, ein bisschen verbeult, ein bisschen wartungsbedürftig so vom Fahrgefühl her aber von der Ausstattung (aufwendige Elektrik und ordentliches Bett) wie für uns gemacht.
Da jeder Tag im Hotel sich – wie schon erläutert – auf unsere Kostenbilanz auswirkt und die Fahrzeugauswahl insgesamt eingeschränkt ist, schildern wir ihm noch das Thema mit der Kohle (wir einigen uns auf Barzahlung am nächsten Tag) und erledigen den leidigen Papierkram. Im Endeffekt ist es das, was wirklich irgendwie auf der ganzen Welt mehr oder weniger gleich zu sein scheint, jedenfalls wäre es selbst in Spanien ein vergleichbares Prozedere. Er nimmt uns noch mit an eine Bushaltestelle, wir verabreden uns für den Folgetag und wir fahren wieder zurück nach Sydney CBD. Am letzten Abend im Hotel waschen wir nochmal unsere Klamotten und bereiten uns auf die Abreise vor. Wir besuchen zum Abschied nochmal Darling Harbour und lassen vorerst ein letztes Mal die beeindruckende Kulisse von Sydney auf uns wirken. Der Checkout am nächsten Morgen verläuft gewohnt freundlich und reibungslos, das Thema mit der Post ist kein Problem und so kann unser Backpacking-Trip jetzt richtig starten. Wir freuen uns auf die kommenden Abenteuer und melden uns demnächst wieder, je nach dem wie Zeit und Internetverbindung da ist. Also dranbleiben!